Die Schlinge zieht sich zu

Finanzmisere: Verantwortliche abstrafen!Die Gutachter müssen mal wieder ran. Die Deutsche Fußballliga (bekannter: DFL) hat der Alemannia einen blauen Brief geschickt. Die Alemannia muss Einnahmen in Höhe von gut 800.000€ nachweisen, die durch schlechtere Platzierungen in der Liga fehlen. Erneut fehlen einkalkulierte TV-Gelder. Somit hat die Alemannia gleich zwei Deadlines im Januar. Die Lage wird dramatischer.

Frithjof Kraemer schilderte es als normal und als bekanntes Problem. Man arbeite ja aber dran – schon länger. Da aber keine Fortschritte zu verzeichnen sind und sowohl Stadt als auch Land den Auftrag erteilt haben, ein „Worst-Case-Szenario“ zu erarbeiten, riecht man förmlich die Sprache, die die Zahlen sprechen. Auch die DFL verlangt nun Hausaufgaben.

Abgesehen davon, woher man nun wieder das ganze Geld für Gutachter hat (denn schnelle Gutachten sind teuer), ist die Frage, was stand eigentlich in den Gutachten, auf die man die Finanzierung setzte. Wieso schafft die Alemannia nicht einmal zwei schlechte Spielzeiten in der zweiten Bundesliga, wo man noch 2009 zur Stadioneröffnung versprach, man schaffe auf mal ein Jahr dritte Liga?

Diese Fragen sind nicht neu. Diese Fragen stellen Fans, Mitglieder aber auch Sponsoren und Gläubiger seit fast zwei Jahren. Bis heute gab es kaum Antworten. Die zwischenzeitlichen Meldungen entpuppten sich als heiße Luft und angekündigte Meilensteine blieben aus. Nun zieht sich die Schlinge immer enger zu. Was kann also zur Rettung führen?

Zum einen hängen sportliche und finanzielle Situation nicht nur in Puncto TV-Gelder zusammen. Die fortwährende Belastung und vereinsinternen Streitigkeiten und Machtspielchen verunsichern die Mannschaft. Dies entschuldigt keinesfalls charakterlose Auftritte wie zuletzt in Frankfurt, ist dennoch ein nicht zu vernachlässigender Punkt auf der Verbesserungsliste.

Vor einem Jahr verschafften die Pokalerfolge noch etwas Luft zum atmen. Aber statt diese Atempause zu nutzen, steht man nun an selber Stelle – aber mit wesentlich schlechterer Ausgangsposition. Aus dem Pokal ist man raus und auch ein Spielerverkauf dürfte schwierig werden – wer ist denn derzeit zu einem gewinnbringenden Preis abzugeben?

Sondereinnahmen durch Transfererlöse oder andere Einmaleffekte  wird es also definitiv nicht geben. Auch die Kreditstreckung und Verlängerung der Landesbürgschaft zieht sich hin. Wie sieht es dann eventuell mit der zweiten Tranche der städtischen Bürgschaft aus? Diese könnte man ziehen. Aber wieso hat man dies nicht getan? Was stimmt da nicht? Hat man dies eventuell schon still und leise getan? Oder wurde seinerzeit alles gezogen? Oder gibt es an die zweite Tranche geknüpfte Bedingungen, die man bereits jetzt nicht einhalten kann?

Ich weiß einfach nicht mehr, was ich von meiner Alemannia halten soll. Irgendwann lernt jeder mal aus Fehlern. Spätestens nach dem zweiten Mal packt kein Kind mehr auf eine heiße Herdplatte. Als (Exil)Öcher sehe ich auch das Verhalten der Stadt als absolut nachvollziehbar an. Knapp am Nothaushalt vorbeigeschrammt, ist ein Kauf des Tivoli nicht so einfach zu machen. Vor allem nicht, wenn die handelnden Personen das letzte Bisschen Seriosität und Vertrauen längst verspielt haben. Ich würde auch keine Geschäfte mehr mit Kraemer und Co. machen. Beim letzten Mal hätte ich beinahe meine Kunden verloren. Die warten bis heute auf ein Sponsoringangebot… Auch wenn dies für einige Leser ein alter Hut sein mag: Mich regt dies maßlos auf!

Die Alemannia Aachen GmbH hat einfach einen unfähigen Geschäftsführer. Herr Kraemer ist nicht mehr tragbar. Wieso sieht der Aufsichtsrat nicht ein, dass mit Frithjof Kraemer die Türen verschlossen bleiben? Wieso ignorieren Heyen und Co., dass Fans und Mitglieder, aber auch Sponsoren und Kreditgeber ohne Kraemer wesentlich kooperativer sind? Wieso hat Herr Kraemer solch eine Rückendeckung, obwohl die Unzufriedenheit, vor allem durch ihn selber hervorgerufen, Verein und GmbH schadet?

Die Alternativen schwinden. Entweder man einigt sich mit Stadt und Land (was bis Januar schwierig werden dürfte), man findet eine Lösung mit Sponsoren, Investoren, Gläubigern und weiteren Dritten, oder man geht schlicht in die Insolvenz. Grundsätzlich mag ich die Alemannia nicht in den Niederungen des Amateursports versinken sehen, bin aber noch weniger gewillt, mich knebelnden Forderungen von Investoren zu beugen. Denn aktuell ist die Alemannia eine heiße Ware und wenn jemand dafür bereit sein sollte Geld auszugeben, wird der Preis von uns Fans und leidenschaftlichen Anhängern seeeehr groß sein.

Da wünsche ich mir lieber, dass wir – und wenn es 30 Jahre dauert – wie Phönix aus der Asche wieder gesund empor steigen, als meine Seele zu verkaufen.

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2 Antworten auf “Die Schlinge zieht sich zu”

  1. Die Misere der Alemannia und Tivoli ist meines Erachtens nach vom Anfang her selbst herbeigeführt. Der ehemalige OB wollte sich ein Denkmal setzen, was ja auch grandios gelungen ist. Der alte Tivoli war für eine Fußballmanschaft die als Freizeitfußballer gewertet werden schon zu nobel. Eventuell könnten die Verantwortlichen Frau Merkel mal fragen ob es von dort auch einen Rettungsschirm für verarmte Stadien gibt. Es wird genug Geld in Fässer ohne Boden geworfen, ansonsten hoffe ich das von der Stadt her keinerlei Finanzen zugeschossen werden.

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