Von wegen Ruhe bei der Alemannia

Alemannia Aachen Sportfreunde Lotte Tivoli 2014

Die Saison der Alemannia nährt sich dem Finale. Die Schwarz-Gelben spielen noch um den Aufstieg mit – doch sorgen nicht nur “Fans” für sprichwörtliche Unruhe. Seit gut einem Jahr sind die neuen Gremienvertreter im Amt. “Wir brauchen endlich mal Ruhe im Verein!” – Dieser Satz war bis gestern zumindest für 12 Monate Realität. Was intern passiert blieb intern. Negative Schlagzeilen gibt gab es wenn dann nur über die Aktionen der Anhänger. Jetzt ist sie wieder da diese Unruhe.

Öffentlicher Disput zwischen Trainer und Sportdirektor

Im ausführlichen Interview mit der Lokalpresse berichtet Aachens neuer Geschäftsführer Sport und ehemaliger Spieler, Alexander Klitzpera, von den Vertragsgesprächen. Am Tag darauf kommt der Trainer Peter Schubert zu Wort “Alemannias Trainer: „Unsere Arbeit wird nicht gewürdigt“. Ich habe das Gefühl, dass nicht nur ich mich frage: Warum muss dies über die Öffentlichkeit geschehen? In den Interviews stecken Anschuldigungen und Vorwürfe. Dinge die es intern zu klären gilt. Hier ist auch der nach Außen bis jetzt ruhige Aufsichtsrat gefragt. So bringt man sich um die bisher erfolgreiche Saison. Das Ziel Auftiegsrelegation + ggf. Aufstieg behindert man dadurch selber.

Eskapaden der Anhänger

Doch nicht nur bei der Alemannia intern gibt es Probleme. Seit Saisonbeginn sorgen unnötige Aktionen für sowohl negative Schlagzeilen als auch Strafen für die Alemannia. Dass ein Spiel ohne Zuschauer droht wird ignoriert.

Wichtig ist eines zu Beginn: Die Karlsbande alleine für negative Schlagzeilen zu nennen ist zu einfach und falsch. Aus dem Umfeld der seit 2010 in der Kritik stehenden Fangruppe fallen dennoch viele unschöne Dinge auf. Gegen den SC Wiedenbrück hagelte es Feuerzeuge und sogar Schwangerschaftstests. Zuvor hatten die Fanbetreuer der Alemannia noch an die Fans appelliert: Wir stehen unter besonderer Beobachtung. Die Feuerzeuge flogen allerdings nicht nur aus den Reihen der Karlsbande, so viel steht fest. Ebenso Bierbecher: die flogen nachweislich aus anderen Reihen.

Dass Alemannia unter besonderer Beobachtung steht wird leider weiterhin mit einem Achselzucken hingenommen. Man darf süffisant fragen: Sind wir nicht dann alle ausgesperrte Brüder?

So präsentierte man während des Spiels Alemannia Aachen gegen Rot-Weiß Oberhausen laut Aachener Zeitung Banner und Fahnen der Oberhausener. Im Stadion anwesende Fans bestätigten mir dies ebenfalls beobachtet zu haben.  Nach dem Spiel kam es dann zu Tumulten hinter dem Stadion.

Es kam zunächst zwischen Anhängern aus Oberhausen und der Polizei zu Ausschreitungen. Anhänger der Alemannia, ca. 100 sollen es gewesen sein, mischten sich dann mit ein. 6 Anhänger und 6 Polizisten wurden leicht verletzt. Zu den Verletzungen wurde in der Stellungnahme der Polizei keine Angabe gemacht. Auf Nachfrage bei der Pressestelle der Aachener Polizei verwies man dort auf den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre. Hier finde ich es ausgesprochen schade, dass diese Auskunft nicht einmal anonym erteilt wird. Es ist zum Beispiel ein Unterschied ob ein Polizist durch einen Flaschenwurf verletzt wird, oder durch das Pfefferspray welches ein Kollege versprüht hat.

Randnotiz zum Einsatz von Pfefferspray

Ich halte nichts von derlei “Fans” die Gewalt suchen und provozieren. Dennoch muss es gegeben sein mehr Transparenz in entsprechende Vorfälle zu bringen. Der Einsatz von Pfefferspray ist umstritten. In Polen ging ein Anhänger in Flammen auf, nachdem ein Polizist ihn mit Pfefferspray besprühte. Auch in Deutschland hinterfragt man die statistischen Angaben: “Die Zahlen lassen darauf schließen, dass die Gefahr, bei einem Fußballspiel verletzt zu werden, nach wie vor eher von der Polizei, als von Fans oder Ultras ausgeht“, sagt Polizeiwissenschaftler Thomas Feltes gegenüber der Zeit. (Hier auch ein Artikel dazu von n-tv.)

Was macht die Alemannia?

Alemannia Aachen verurteilte die Aktionen umgehend und veröffentlichte eine Stellungnahme. Zitat:

Die Alemannia verurteilt das inakzeptable Verhalten aufs Schärfste. Für diejenigen, die das Umfeld der Alemannia-Spiele für kriminelle Handlungen benutzen, gibt es bei der Alemannia keinen Platz. Fans und ihre Gruppen tragen eine Verantwortung für den Klub. Wer dieser Verantwortung nicht gerecht werden will oder kann, ist nicht erwünscht. Die Alemannia distanziert sich deutlich von Gewalt jeglicher Art! Der Klub wird bundesweite Stadionverbote gegen die ermittelten Täter einleiten.

Die Gremien machen bisher einen ruhigen und besonnen Eindruck. Doch die Verpflichtung von Alexander Klitzpera wirft Fragen auf. Kaum einen Monat im Job gibt es ein öffentliches Zerwürfnis. Auch der Umgang mit den krawallsuchenden Anhängern wirft immer wieder Fragen auf. Geschäftsführer Mronz hatte trotz Warnungen das Fahnen- und Materialverbot der Karlsbande aufgehoben – und musste es zwei Monate später bereits wieder verhängen.

Die Alemannia hat zwei große Baustellen: Krawallbrüder und Klitzpera vs. Trainer & Mannschaft. Zugegeben: Die Problemfans sind seit einigen Jahren Dauerthema und sicherlich nicht einfach zu bewältigen. Doch wer nicht mal mit Plan und Konzept an die Dinge geht wird nicht nach Vorne kommen. Nur am Rande: Was wurde eigentlich aus dem vorgeschlagenen Fanrat (JHV März 2014)?

Ruhe im Verein wird es nie geben. Es ist eine Illusion. Doch ist ein Teil der aktuellen Unruhe vermeidbar. Alemannia muss handeln. Wer punktgleich auf Platz 1 der Tabelle steht hat das Ziel Aufstieg. Dieses Ziel verliert man an der Krefelder Straße gerade aus den Augen…

Eine Chronologie seit Saisonbeginn

20.07.2014 Beim Freundschaftsspiel kommt es zu einem kurzen, aggressiven Platzsturm unter Beteiligung der Westfront
08.08.2014 Beim ersten Saisonspiel der Alemannia gegen den FC Hennef distanziert sich die Karlsbande von Extremismus und Rassismus, nicht jedoch von Gewalt
08.09.2014 Alemannia Aachen hebt das Fahnen- und Materialverbot der Karlsbande auf
20.09.2014 Beim Heimspiel gegen den KFC Uerdingen kommt es zu Becherwürfen – auch aus dem Block der Ultras
28.09.2014 Beim Gastspiel in Oberhausen werden geklaute Banner und Fahnen gezeigt und verbrannt /Rauchbomben, Pyro). Zudem versuchen Anhänger der Alemannia den Zaun einzureißen.
04.10.2014 Die Ultras präsentieren den Banner “Presse halts Maul! Wir leben den Verein. Ihr macht ihn kaputt!”
11.10.2014 Beim Pokalspiel in Wegberg versuchen sich die Ultras unerlaubt den Zutritt zur Sitzplatztribüne zu verschaffen.
31.10.2014 Beim Auswärtsspiel bei Viktoria Köln wird massiv Pyrotechnik gezündet
05.11.2014 Alemannia Aachen führt das Material- und Fahnenverbot wieder ein.
27.11.2014 Der Westdeutsche Fußballverand verhängt eine Geldstrafe von 1.500 €, 750 € sind zur Bewährung ausgeschrieben. Die Alemannia appelliert erneut an die Fans.
28.11.2014 Nach dem Spiel kommt es um das Parkhaus zu Ausschreitungen zwischen Fans der Alemannia und aus Siegen. Ultras sind beteiligt.
06.03.2015 Während des Heimspiels gegen den SC Wiedenbrück werden Becher, Feuerzeuge und sogar ein Schwangerschaftstest auf den Rasen geworfen. Der Schiedsrichter fertigt einen Sonderbericht an.
30.03.2015 Vermummte Anhänger der Alemannia zerreißen Devotionalien aus Oberhausen, nach dem Spiel kommt es dann zu Krawall außerhalb des Stadions. Es werden 6 Anhänger und 6 Polizisten verletzt.
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Eine Antwort auf “Von wegen Ruhe bei der Alemannia”

  1. Was ist es? Über Jahre war ich mir sicher, dass hinter allem nur der Geschäftsführer Bert Schütt stecken konnte. Hatte er nicht den Aufstieg verboten, die offiziell gemeldeten Zuschauerzahlen verringert, um das Geld in seine Zigarrenkiste (für schlechte Zeiten) zu tun und zog er nicht im Hintergrund die Fäden? Nach seinem tragischen Tod konnte diese Theorie für die weiteren Jahre nicht fortbestehen. Es musste etwas anderes sein.
    Vielleicht der Mannschaftsarzt? Gab er allen im Verein heimlich Medikamente? Auch der ist schon lange ein anderer. Das führte auch zu keiner Erklärung.
    Ist “Klömpchensklub” vererbbar? Und wie soll das funktionieren? Ist der Name Programm, dem sich keiner entziehen kann? Nein, das ist doch alles Quatsch, magisches Denken.
    Aber was ist es dann? Ein Fluch? Das Trinkwasser? Gendefekt? Radioaktive Strahlung? Voodoo?
    Eine Erklärung gibt es nicht, und doch bleibt so manches bei der Alemannia immer gleich: Läuft es mal gut, können das die Verantwortlichen offenbar nicht ertragen und dann geht es wieder los. Anstatt den eingeschlagenen erfolgreichen Weg weiter zu gehen, wird massiv Unruhe gestiftet. Beliebt ist -wie auch jetzt wieder- der Gang über die Presse in die Öffentlichkeit. Das ist in höchstem Maße unanständig und ausserdem absolut unprofessionell. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, wer “Recht” hat. Interna wie Vertragsverhandlungen gehören nicht in die Öffentlichkeit. Es sei denn, man bezweckt etwas damit. Das scheint auch hier wieder mal der Fall zu sein. Für mich ist jedenfalls dadurch der Aufstieg gedanklich in weite Ferne gerückt und uninteressant geworden.
    Auch jetzt wieder zeigt sich, dass dieses eine Wort, das sich so schwer erklären lässt, aber alles zusammenfasst und auf den Punkt bringt, auch wenn man gar nicht genau weiß, was es bedeutet, das treffendste ist: Klömpchensklub!

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