Aachen Tivoli

Alemannia hat den Prozess um einen Vermarktungsvertrag aus dem Jahr 1998 verloren. Überlebt hat der Verein (es geht hier nicht um die GmbH!) dank eines Ende 2013 geschlossenen Vergleichs. Ohne diesen Vergleich hätte der sich bereits angedeutete Urteilsspruch das finanzielle Aus für den Traditionsverein bedeutet. Nun hat die Alemannia einen “neuen Altvertrag” – an dem Kölmel gut verdienen kann.

Wie sieht der Vergleich aus?

Kölmel verzichtet auf zunächst auf die Rückzahlung. Damit ist die Insolvenzgefahr vom Tisch. Alemannia verpflichtet sich über einen Zeitraum von 12 Jahren 15% der TV- und Vermarktungserlöse an Kölmel abzutreten. Die Frist bgeinnt mit dem Aufstieg in die dritte Liga, gezahlt werden muss allerdings erst ab dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Nach Ende dieses Zeitraums erlischt die Forderung an die Alemannia – egal wie viel Geld Kölmel aus der Vereinbarung erhalten hat. Update: Die Alemannia hat bestätigt, dass bereits unterhalb der 2. Bundesliga gezahlt werden muss. TV-Einnahmen aus dem DFB-Pokal sind ligaunabhängig.

Warum war der Urteilsspruch notwendig?

Der Vergleich war an den Urteilsspruch geknüpft. Dies war dem Präsidium der Alemannia selbst sehr wichtig. Erst der Urteilsspruch sorgt für die Rechtmäßigkeit des Vergleichs. Also schlicht eine Formalität.

Wo sind die „Knackpunkte“?

Es ist wie eine Wette: Steigt Alemannia in die dritte Liga auf und bleibt dort 12 Jahre, sieht Kölmel keinen Cent. Gelingt nach dem Aufstieg in die dritte Liga ein weiterer Aufstieg, zahlt die Alemannia.

Der Alemannia fehlt, sobald die Zahlungen beginnen, wichtiges Geld. Der Vermarktungspartner Infront Germany GmbH hat seine – öffentlich nicht bekannten – vertraglich vereinbarten Anteile.

Ein weiterer Punkt: Bei wem liegen eigentlich die Vermarktungs- und Namensrechte? Im Zuge der Umfinanzierung mit Hilfe der Stadt Aachen wurden mit dem damaligen Vermarktungspartner UFA Sports GmbH Vereinbarungen getroffen – fraglich welche Rechte davon noch berührt sind, da die Rechte an Namen und Logo eigentlich beim Verein liegen.

Wie hoch sind die Gesamtforderungen?

Das Oberlandesgericht Köln sprach Kölmel eine Summe von 1.329.358,89 Euro zzgl. Zinsen zu. Kalkuliert mit 5 Punkten über dem Basiszins und ausgehend von einer Rückrechnung bis 1999, beträgt die Summe 1.682.786,25 €.

Ab wann lohnt sich der Deal für Kölmel?

Aktuell bekommt ein Zweitligist mindestens 4,713 Millionen Euro Fernsehgeld pro Saison (1). Ohne die weiteren Vermarktungserlöse aus Merchandising und Co, würden jährlich ca. 707.000 Euro an Kölmel überwiesen werden müssen. Zwei der zwölf Jahre reichen aus, damit Kölmel ein gutes Geschäft gemacht hat. In der Berechnung sind die steigenden TV-Gelder nocht nicht berücksichtigt.

 nur 2. Bundesliga untere Tabellenhälfte obere Tabellenhälfte
TV-Gelder:                      4.713.000,00 €                      8.900.000,00 €
davon 15% p.A.:                          706.950,00 €                      1.335.000,00 €
Streitwert: 1.682.786,25 € 1.682.786,25 €
Jahre in Liga 2 Summe pro Jahr Abtretungssumme
1                          706.950,00 €                      1.335.000,00 €
2                          706.950,00 €                      2.670.000,00 €
3                          706.950,00 €                      4.005.000,00 €
4                          706.950,00 €                      5.340.000,00 €
5                          706.950,00 €                      6.675.000,00 €
6                          706.950,00 €                      8.010.000,00 €
7                          706.950,00 €                      9.345.000,00 €
8                          706.950,00 €                    10.680.000,00 €
9                          706.950,00 €                    12.015.000,00 €
10                          706.950,00 €                    13.350.000,00 €
11                          706.950,00 €                    14.685.000,00 €
12                                            –   €                                            –   €

Ist es ein guter Vergleich für die Alemannia?

Philosophisch gesehen: Dies liegt im Auge des Betrachters. Die Alemannia stand steht mit dem Rücken zur Wand und musste einen Weg finden, den Verein vor der Insolvenz zu bewahren. Die Verhandlungsposition war alles andere als gut. Dennoch: bereits zwei Jahre in der zweiten Bundesliga reichen Kölmel aus, damit er seine Forderungen gedeckelt hat – jedes weitere Jahr lässt die Kasse klingeln.

Die o.g. Zahlen halte ich für realistisch, kenne aber die genauen Vertragsdetails nicht. So ist die Frage: Kann sich die Alemannia auch vorzeitig aus der Vereinbarung kaufen? Wenn ja zu welchen Konditionen?

Fazit: Dieser Deal könnte für Kölmel gewinnbringender werden als die strittigen Vereinbarungen von 1998.

Quellen:

(1) http://www.fernsehgelder.de/ Zweite Bundesliga, 2014/2015

(2) https://www.bundesliga.de/media/native/dokument/dt_DFL_BL_Wirtschaftssituation_2014_72dpi.pdf


4 Kommentare

ltdata · 19. August 2014 um 16:22

1-2 Anmerkungen dazu:
Die Vereinbarung besagt: “Alemannia verpflichtet sich im Gegenzug zwölf Jahre, 15 Prozent seiner Erlöse aus der TV-Vermarktung an Kölmel abzutreten.” (für mich offen bleibt, gehört jetzt der DFB-Pokal mit dazu oder nicht; ursprünglich sollten es ja mal 8 Jahre und 15% der Erlöse aus BL-TV und DFB-Pokal-TV-Geldern sein).

Somit haben die von Dir “Merchandising” genannten Einnahmen nichts mit Kölmel zu tun. Es geht nur um die TV-Gelder. Somit kannst Du Deine Tabelle schon einmal auf die Hälfte reduzieren. 😉
Du vergisst auch leider folgendes zu erwähnen:
Kölmel hätte Anspruch auf Zinsen.
Die 2.5 Mio. müssten theoretisch verzinst werden. Das wären bei 6% ca. 150.000 Euro Zinsen auf diese 2.5 Mio.
Gehen wir vom optimalen Fall aus, die Alemannia würde Ende der aktuellen Saison in die 3. Liga aufsteigen (nur ein theoretisches Muster), wären wir dann in der 3. Liga und die Forderung würde dann 2.65 Mio. Euro betragen (2.5 + Zinsen). In der 3. Liga fängt der 12-Jahreszähler an. Würden wir dann wieder direkt aufsteigen, läge die Forderung bei 2.809 Mio. Euro und Kölmel würde dann beginnen Geld zu kassieren.
Im ersten Jahr wären es ca. 700.000 Euro, da wir selbst bei Erreichen eines höheren Tabellenplatzes recht weit unten in der TV-Gelder-Tabelle sind, denn Alemannia hat für die Jahre davor “0 Punkte” im TV-Ranking vorzuweisen. Schaue Dir die Punkte bei http://www.fernsehgelder.de an.
Das wäre der Idealfall für Kölmel, dass Alemannia den Durchmarsch schafft und sich in der 2. Liga im oberen Drittel festsetzt, keine Frage.
Man sollte aber nie vergessen, ohne diesen Deal gäbe es den TSV nicht mehr und damit keine GmbH und somit keinen Alemannia-Fußball mehr (ausser vielleicht in Kreisliga D). Somit sollten wir uns glücklich schätzen, dass es diesen Deal gibt.
Zum Thema Vermarktungsrechte (Ufa usw..). Meines Wissens sind durch die Insolvenz alle diese Verträge “erledigt”, hier bestehen keine Ansprüche der Ufa gegenüber Alemannia. Auch die Ufa wurde gemäß Insolvenzquote “bedient”. Denen gehörten die Vermarktungsrechte ja nicht, sondern diese dienten als Sicherheit für ein Darlehen, bzw. damit sollte das Darlehen bedient werden.

Friedrich · 19. August 2014 um 16:33

Danke für dein Feedback!

zu Punkt 1: richtig, habe ich gestrichen. Es betrifft nicht das Merchandising.

zu Punkt 2: in Liga drei muss Alemannia noch nicht zahlen

zu Punkt 3: die geschätzten 2,5 Mio € sind inklusive der Zinsen, daher ja die Angaben ohne Gewähr. Die Presseerklärung der Alemannia verweist auf 1.329.358,89 Euro zzgl. Zinsen

ltdata · 20. August 2014 um 23:41

Ich habe nie geschrieben, dass die Alemannia in Liga 3 zahlen muss. Das mit den 2.5 Mio. habe ich auch so geschrieben, die 2.5 Mio. sind die Gesamtforderung, die ab dem Tag des Urteils (bzw. dessen Rechtskraft) wiederum verzinst werden (können).

Und: 2 Jahre reichen Kölmel nicht. Es sind knapp 4 Jahre, bis er in etwa sein Geld wieder hat (inkl. Zinsen).

Nachgefragt bei Oliver Laven | derFriedri.ch · 28. August 2014 um 08:58

[…] schrieb bereits etwas zum erfolgten Urteilsspruch im Prozess zwischen Alemannia Aachen und Michael K…Zudem bat ich die Alemannia und Herrn Kölmel um ein Statement. Für die Alemannia hat Oliver Laven, […]

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