Die Bilanz des Jahres 2009 der Alemannia Aachen GmbH hat es in den elektronischen Bundesanzeiger geschafft. Auf die der Alemannia Aachen Stadion GmbH müssen wir uns wohl noch etwas gedulden. Allerdings liest sich schon aus dieser Bilanz, dass die Anfang 2010 getätigten Aussagen wie »man habe Liquiditätsprobleme aber die Insolvenz drohe nicht« so nicht stimmen können.

Holtby bringt wichtige 2.975.000 €

Der Wechsel von Lewis Holtby zum FC Schalke 04 brachte laut Bilanz 2,975 Millionen €. Da kein anderer Spieler verkauft wurde, gehe ich davon aus, dass es sich bei dem Wert um den ersten Teil der Transfersumme handelt. Einige Absätze weiter unten ist zu lesen: »Eine seit dem Geschäftsjahr 2008 bestehende Möglichkeit zum Verkauf von Forderungen wurde nach dem Abschlussstichtag erstmalig in Anspruch genommen.«

Wahrscheinlich hat man sich die Forderungen aus dem Transfergeschäft von einem Sponsor bzw. einer Bank vorab auszahlen lassen um die Liquidität zu sichern. Im Grunde, gerade wenn es knapp ist im Portemonnaie, eine logische und gute Methode. Allerdings lesen sich die fast drei Mio. € im Zusammenhang mit dem positiven Jahresabschluss von 500.000€ doch sehr dramatisch. Ohne einen Verkauf von Lewis Holtby stünde dort also ein Minus von 2,475 Mio. €!

Es drängt sich die Frage auf: Wie knapp ist die Alemannia der Insolvenz von der Schippe gesprungen? Stünde man ohne die Holtby-Millionen noch auf eigenen Beinen? Wohl kaum!

»Aus für die folgenden Spielzeiten abgeschlossenen Sponsoringverträgen konnte die Alemannia zudem Anzahlungen in Höhe von € 1,9 Mio. generieren, die im Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit berücksichtigt sind.« bzw.: »Für kommende Spielzeiten hat die Alemannia Anzahlungen aus Sponsoringverträgen in Höhe von € 1,9 Mio. erhalten.«

Die finanziellen Mittel waren so knapp, dass man sich von Sponsoren Geld vorschießen ließ. Wenn es mal eng wird ja auch nicht falsch aber nach Dr. Meino Heyens Aussagen beim außerordentlichen Abend der FAN-IG hat uns für die aktuelle Saison der Pokal die Lizenz gerettet.

Das gewonnen Pokalspiel gegen Mainz hat ca. zwei Millionen Euro in die Kassen gespült und damit den Vorschuss aufgefangen. Unterm Strich wurde nun die Vorschusslücke durch den ungewohnten Pokalerfolg kompensiert. Gäbe es die Alemannia ohnen diesen Sieg gegen Mainz noch?

Laut der nun veröffentlichen Bilanz steht aber auch eine weitere Zahl erstmalig für alle ersichtlich fest: Jährlich sind 7,1 Mio. € Stadionpacht zu zahlen. Andere Vereine, wie beispielsweis Hertha BSC, 1860 München oder der FC Kaiserslautern, haben mit weitaus geringeren Raten schon sehr große Probleme. Hier muss nochmals die Frage erlaubt sein: Wie konnte solch ein Finanzkonzept überhaupt abgesegnet werden ? Meine Angst, ob es die Alemannia in 365 Tagen noch geben wird, nimmt täglich zu und sowohl nach diesen ersten Zahlen und den Worten des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Heyen wird es eine harte Zeit und die Frage kann heute wohl niemand beantworten.

»Niemand muss befürchten, dass wir unser Stadionkapital aus der Spiel GmbH nehmen werden. Aus der künftigen Wertschöpfung wird gelten: Aus Steinen in Beine investieren.« Franz-Wilhelm Hilgers (damaliger Schatzmeister) im September 2007


3 Kommentare

Hardy · 10. März 2011 um 10:47

Wird es eng mit der Linzenz für 11/12?

Friedrich · 10. März 2011 um 10:52

Moin Hardy.
Die Lizenz für 2011/2011 ist dank der Pokalerfolge gewährleistet. So habe ich Meino Heyen verstanden. Die Liquidität wurde somit gesichert, was in den meisten Fällen zur Lizensierung führt. Andere lizenzrelevante Baustellen gibt es meines Wissens nach nicht. Allerdings schleppen wir aber dieses Problem immer mit und werden, wenn nichts passiert, in 1-2 Jahren keine Sondereinnahmen haben die uns retten – und dann will ich gar nicht wissen was dann los sein wird…

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