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© syrialooks 2005 | Homs (Syrien) vor dem Ausbruch des Krieges

Es ist schon traurig beschämend, was sich Markus Mohr hier» erlaubt. Als Mitglied des Stadtrates in Aachen sollte ihm, wie jedem anderen Mitglied des Rates, daran gelegen sein eine sachliche und konstruktive Politik zu betreiben. Er schreibt zur Flüchtlingsthematik: „Viele der Flüchtlinge stammen aus Ländern in denen sie vorher in Baracken oder Hütten wohnten. Teilweise ohne fließendes Wasser.“ Mohr beweist damit zwei Dinge: Erstens hat er keine Ahnung. Zweitens dass er Zahlen verschweigt.

Herr Mohr hat sich nicht mal die Mühe gemacht zu recherchieren. Dabei findet man auf der Webseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge» eine Menge statistische Werte». Aktuelle Werte». Die Tabelle zeigt die aktuell zehn häufigsten Herkunftsländer. Ach ja: So sahen diese Baracken und Hütten ohne fließend Wasser bis 2011 aus: Vorher Stadtviertel, hinterher Steinwüste

 

Asylzahlen November 2014

Nun bedarf es nicht viel Aufwand um herauszufinden, dass dort politische Krisen zu finden sind. Regierungen, die es vor allem Minderheiten und Oppositionen nicht gestatten ein Leben zu führen, wie wir es kennen. Ein Leben wie wir es schätzen.

In 5 dieser 10 Länder herrschen Krieg bzw. kriegsähnliche Zustände. Weiß Herr Mohr das nicht? Bei den anderen 5 Ländern, die man getrost der Europäischen Union zurechnen darf, bestehen nicht minder politische Probleme.

Asylanträge aus Albanien, Serbien, dem Kosovo, Bosnien und Herzegowina sowie Mazedonien werden zu 97,7 % der Fälle abgelehnt. Reden wir also bitte über Syrien, Eritrea, Afghanistan, Somalia und den Irak. Reden wir darüber, dass von 181.453 Asylanträgen gerade mal 95.535 Anträge entschieden wurden. 52,65 % – ein Hauch mehr als die Hälfte.

Mindestens 85.918 Menschen stehen also noch vor der Ungewissheit.

Ein weiterer herrlicher Satz von Herrn Mohr:

Selbst die Unterbringung in Unterkünften mit gemeinschaftlich zu nutzenden Sanitär- und Küchenräumen stellt für viele Flüchtlinge einen erheblichen Zuwachs an Lebensqualität dar. Sicherlich ist es wünschenswert über ausreichend Wohnraum und finanzielle Mittel zu verfügen, um alle Flüchtlinge in eigenen Wohnungen unterzubringen. Wenn diese Mittel jedoch nicht vorhanden sind, ist auch eine Unterbringung in gepflegten Gemeinschaftsunterkünften zumutbar. Studenten in Wohngemeinschaften kommen damit seit Generationen mühelos zurecht.

Ob Herr Mohr einmal in einem Studentenwohnheim und einer Asylunterkunft war? Ob die Gemeinschaftsunterkünfte wirklich besser sind? Keine Privatsphäre. Mehrfach nachgewiesen: gewaltbereites und rassistisches Personal. Meines Wissens nach, haben Studenten in Wohnheimen ein eigenes Zimmer. Haben dies die Flüchtlinge?

Zum Abschluss noch eine Passage aus Herrn Mohrs Text. Meine Überschrift dazu: Finde den Fehler…

In Deutschland sind nach Angaben des statistischen Bundesamtes 55 Prozent der Flüchtlinge in Wohnungen einquartiert. In NRW liegt der Schnitt bei 50,3 Prozent. In Baden-Württemberg ist man zurückhaltender. Dort liegt die Quote bei 33,5 Prozent. Der Großteil der Flüchtlinge wird in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht.

Neben Sachlichkeit zählt also auch Mathematik nicht zu Herrn Mohrs Stärken. Übrigens: Hier ist die Quelle» für Herrn Mohrs Zahlen. Dezentrale Unterbringung meint zwar Wohnungen, kann aber auch eine Jugendhilfeeinrichtung sein, oder bei Verwandten bzw. Freunden. Diese Zahl sagt als solche noch gar nichts über die Kosten aus. Interessant ist die Statistik dazu von ProAsyl»(Seite 68). Auch dort findet sich die Angabe von 55% wieder. Doch besagt die Statistikentwicklung: Diese Zahl ist rückläufig. Lieber Herr Mohr, wieso erwähnen Sie das nicht?

Vielleicht, weil es wegen der diskussionswürdigen Gesetze gar nicht so angenehm wäre die Wahrheit auszusprechen? Aufgrund der aktuellen Gesetze dürfen Asylbewerber Landkreise/Bundesländer nicht verlassen. Kosten entstehen also auch, weil ein Flüchtling oder eine Familie in einer Gemeinschaftsunterkuft untergebracht werden muss. Doch diesen Gedanken zu vertiefen bedeutet, sich mit den Flüchtlingen zu beschäftigen. Herr Mohr lässt tief blicken, wenn er meint, dass sie ja nur in Hütten und Barracken ohne fließendes Wasser gelebt hätten.

Erstaunlich, wo doch gerade aus den Reihen der AfD-Wähler sooft von verdrehter Wahrheit gesprochen wird. Und davon, dass die Medien ja nicht alles wiedergeben. Herr Mohr zeigt, übrigens ohne Angaben von Quellen, dass auch er seinen Wählern nicht die vollständige Wahrheit sagt.

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