Am 29. März wird es bei der Jahreshauptversammlung der Alemannia einen neuen Präsidenten geben. Dr. Alfred Nachtsheim wird sich nicht mehr zu Wahl stellen. Somit wird für den Hals-Nasen-Ohren-Arzt nach 876 Tagen Schluss sein. Die Suche nach einem Nachfolger dürfte interessant werden. Seine Ziele hat der scheidende Präsident nicht erreicht.

Für Nachtsheims Entscheidung, sich nicht mehr einer Wahl zu stellen, dürfte es eine Menge Gründe geben, über die man jetzt spekulieren könnte. Ich kann mir vorstellen, dass seine Versprechen, die er nicht halten konnte, ihn zu diesem Schritt bewogen haben. Auch werden ihm die andauernden Machtspiele sicher nicht viel Freude bereitet haben.

Rückblick: Nachtsheims Wahl hatte am 03. November 2009 etwas vorweihnachtliches:  Mit 425 von 465 Stimmen erhielt er in der eigentlich für Dressurveranstaltungen gedachten Albert-Vahle-Halle (es ähnelte einem Stall mit Tribünen) eine große Mehrheit. “Ich werde sie sicher nicht enttäuschen und nehme die Wahl an!“ waren seine Worte. Er versprach weiterhin die Gräben zwischen Fans und Gremien zuschütten zu wollen und die Alemannia in ihren Tugenden zu stärken, für die sie bekannt war und weiterhin sein soll: Der Zusammenhalt einer Alemannia-Familie.

Er wird sicherlich ein Fazit gezogen haben, das Gegenteile zeigt: Zwischen Fans und Gremien (ich zähle auch mal die Organe der GmbH dazu) ist weiterhin eine Kluft. Zwar wurde mit großer Mehrheit eine regelrecht neue und zukunftsweisende Satzung beschlossen, doch war und ist weiterhin eine Distanz zu spüren. Es ist kein 100%iges Miteinander, welches derzeit gelebt wird. So sprach sich beispielsweise der Vorsitzende des Verwaltungsrates , Manfred Lorenz, gegen eine Reform aus.

Auch auf die nun schon chronische Finanzproblematik, und die damit verbundenen Fragen von Mitglieder und Fans, wusste Nachtsheim keine deutlichen Worte zu finden. Oft hätte ich mir einfach mal ein paar deutliche und auch kritische Worte von ihm gewünscht. Auch in Richtung der Organe.

Dr. Nachtsheim wirkt auf mich wie ein naiver und harmonischer Mensch. Er ging den Gesprächen nicht aus dem Weg, aber er verlor sich in allgemeinen Antworten. Ihm fehlte Souveränität und Kraft. Bei den Jahreshauptversammlungen zeigte sich, wer im Präsidium die Hosen an hat: Klaus Dieter Wolf und Dr. Christoph Terbrack standen an den Mikros wenn es um Diskussionen ging. So floppte der als Initialzündung gedachte Fankongress im Mai 2011 total, nachdem er erst lange nach dem angekündigten Termin in deutlich kleinerer Form stattfand. Gut gemeint aber lange nicht gut gemacht. Hier gilt aber die Kritik dem kompletten Präsidium. Doch wer vorne geht, bekommt in der Regel am meisten Regen ins Gesicht.

Also bitte nicht falsch verstehen: Dr. Nachtsheim ist ein prima Kerl, der aber in der Liga der Öcher Klüngel- und Machtbrüder nichts verloren hat. Ich behaupte daher gerne etwas spitz, dass er in seiner Tätigkeit im Kirchenvorstand der Katholischen Pfarrgemeinde St. Georg von Burtscheid sicher besser aufgehoben ist, als im Präsidium der Alemannia. Dr. Nachtsheim war es im Übrigen auch, der den St. Paulianer “Mini” nach dessen Sturz im Eröffnungsspiel erstversorgte und ihm so wahrscheinlich das Leben rettete.


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