Ich fahre jede Woche von Montags bis Freitags die Strecke Köln nach Aachen und zurück 130 Kilometer. Mit dem Auto. Die Fahrt von Tür zu Tür dauert ca. 50 Minuten. Ich fahre die A4. Ich bin klar für ein Tempolimit.

Seit September 2017 ist dort zwischen Kerpen und Düren auf etwa 10 Kilometer ein Tempolimit von 130 km/h eingerichtet. Seitdem knallt es dort nicht mehr so oft und vor allem so tödlich. Es ist nachweislich sicherer geworden. Dies ist ein klares Argument für ein Tempolimit in Deutschland: Sicherheit.

Wir hatten 2018 in Deutschland mit 3.220 Verkehrstoten sowie 393.000 Verletzten wieder steigende Zahlen und häufig steht in den Unfall- und Presseberichten „nicht angepasste Geschwindigkeit“, „überhöhte Geschwindigkeit“ und „zu geringer Abstand“. Bei Tempolimits sind zudem die Geschwindigkeitsunterschiede der Fahrspuren geringer. Der LKW, der auf der rechten Spur 80 km/h oder 100 km/h fährt, und der ganz links fahrende PKW, mit maximal 130 km/h, haben also maximal 50 km/h Unterschied. Das macht auf der Autobahn viel aus. Das erlebe ich täglich. Und gerade dass nun mit Tempolimit ausgewiesene Stück zwischen Aachen und Köln empfinde ich als nun angenehmer und sicherer.

Daher ärgert mich, dass dies Debatte aus umweltpolitischen Sicht viel zu emotional geführt wird. Unbestritten muss CO2 eingespart werden, aber da muss man beim emotionalen Thema Auto anders ansetzen: Mehr ÖPNV, mehr Rad, mehr Sharing economy im Mix.

Daher ärgert mich, dass der Verkehrsminister Scheuer von der CSU Tempolimits kategorisch ausschließt und sogar als realitätsfern bezeichnet. In jedem anderen Land in Europa gibt es funktionierende Tempolimits.

Daher ärgert mich, dass diese Debatte nicht nach Fakten sondern nach Emotionen geführt wird. Die Freiheit des schnellen Fahrens ist eben das Risiko für die Allgemeinheit. Dabei will doch jeder sicher am Ziel ankommen. Und ganz ehrlich: Selten ist man viel schneller am Ziel, dafür gestresster.

Ich bin klar für ein Tempolimit. 

Tempolimits_in_Europa_2018 ADAC

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2 Kommentare

Tajo thy · 1. Dezember 2022 um 10:11

Wahrscheinlich fährst du selber selten über die Autobahn wie 90% der Leute die ein Tempolimit fordern. Ansonsten wüsstest du, dass 98% der Leute auch jetzt schon unter 130 fahren und somit ein Tempolimit das Verhalten der breiten Masse praktisch nicht verändern würde. Du erwähnst hier die Unfalltoten allerdings nicht die Toten auf der Autobahn was das einzig relevante sein soll. Es stirbt nicht mal eine Person pro Tag auf der Autobahn was ein unschlagbarer wert ist und deutlich weniger als bei den meisten anderen Ländern mit Tempolimit 🙂 Ebenso fährt man gerade bei höheren Geschwindigkeiten mit maximaler Aufmerksamkeit und auch das Bewusstsein, dass immer ein schneller Verkehrsteilnehmer kommen könnte sorgt im allgemeinen für die hohe Aufmerksamkeit in Deutschland. Parallel dazu bauen wir die besten Autos die aufgrund des wissens, dass diese so schnell fahren sich in Sachen Bremsen, Crashsicherheit, Assistenzsysteme besonders Sicher sind und dafür Weltweites ansehen genießen. Allein die Freiheit, dass der Staat mir nicht vorschreibt wie schnell ich erlaubt bin mich über diesen Planeten ist doch wunderschön. Parallel dazu darf das Leben doch auch einfach mal Spaß machen. Es wäre eine Schande, wenn wir die Unbegrenzte Deutsche Autobahn aufgeben würden.

Friedrich · 19. Januar 2023 um 12:46

Ich fahre mehrfach wöchentlich berufsbedingt verschiedene Autobahnen, insbesondere im Rheinland. Hier kann ich, sowohl bei Streckenabschnitten mit und ohne Geschwindigkeitsbegrenzung nicht feststellen, dass sich “98% der Leute” unter 130 fahren.

Die “maximale Aufmerksamkeit” sollte (und ist es meiner Meinung nach auch) unabhängig der Geschwindigkeit.

Viele valide Punkte von dir, aber nichts, was mit Tempolimit nicht mehr so wäre.

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