Ein guter Tag für den Fußball dank Amerika

Drüben – also über dem großen Teich – nennen sie es Soccer und doch ist ihr größter Volkssport dann doch irgendwie der Football. Nun können wir Amerika dankbar sein, dass der Football in unserem Verständnis dort keine wirklich große Emotionalität genießt wie hier in Europa. Nur deswegen greifen Sie auch letztlich durch. Dank Amerika gab es am 27.05.2015 einen guten Tag für den Fußball.

Still und leise, im Schatten des FBI, hat die Schweizer Staatsanwaltschaft etwas bis gestern unvorstellbares gemacht: Eine Hausdurchsuchung bei der FIFA. Die Schweizer greifen ja aktuell bei Steuervergehen wohl gerne konsequenter durch. Randnotiz: Die Namen der sieben verhafteten FIFA-Mitglieder standen allerdings nicht auf in den veröffentlichten Listen der Schweizer Steuerbehörde.

“Fußball ist ein Spiel, American Football ist Kampf“ schreibt Ansgar Graw in einem Artikel für Die Welt am 26.06.2014 ( Deutscher WM-Gegner: Fußball gilt in den USA immer noch als primitiv). Fußball ist halt Kulturgut in Europa. Mehr als ein Spiel. Nirgends sind die wirklich machtpolitischen Verflechtungen von Wirtschaft und Politik so groß wie in dieser Sportart. Der Sportjournalist  Simon Kuper schrieb bereits sehr treffend: „Es wurde genug über Hooligans gesprochen, es gibt gefährlichere Personen im Fußball“.

Wirtschafts-Hooligans

Sieben von diesen Wirtschafts-Hooligans wurden nun gestern verhaftet. Hoffentlich werden die Konsequenzen rechtsstaatlich korrekt und hart erfolgen. FIFA-Präsident Blatter ist mehr als angezählt. Der Mann, der 2005 den Bambi für Kommunikation erhielt, ist abgetaucht. Den ersten Schritt hat nun die amerikanische Justiz gemacht – doch zieht Europa nach? Denn By-the-way: Deutschland hat ja auch im Spiel der FIFA mitgespielt und dem „FIFA-Pflichtenheft“ zugestimmt:

Darüber hinaus haben das Bundesministerium der Finanzen und die Obersten Finanzbehörden der Länder erklärt, die FIFA, die FIFA-Delegation, die Offiziellen und Gäste der FIFA, die Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten und auch die FIFA-Kongress-Teilnehmer von der  Einkommenssteuer/Körperschaftssteuer zu befreien, die auf Einkünfte entfällt, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der WM 2006 in Deutschland erzielt werden und der beschränkten Steuerpflicht unterliegen. Aus dem Abschlussbericht der Bundesregierung  zur WM 2006 / Seite 112. 

So öffnet man dem System FIFA doch Tür und Tor. Die FIFA bestimmt wo es lang geht. Amerika hat als erster “No” gesagt. Richtig so! Doch sind wir dazu auch ehrlich: Wer würde sich denn unbeliebt machen wollen? Würde nicht derjenige direkt als Buhmann abgestempelt, der sich dazwischen stellt? Angenommen ein korrekter und sooft geforderter standhafter Politiker hätte gesagt “Wir können den Forderungen der FIFA nicht zustimmen. Eine WM 2006 ist so nicht machbar!“. Dieser Politiker wäre nie wieder gewählt worden.

Ich sage “Thank You America!”. Jetzt kann keiner hier mehr der Buhmann sein.