Kommentar: Greta Thunberg im Hambacher Forst

Greta Thunberg und Fridays for Future Deutschland nervt durchaus Teile der Bevölkerung. Das ist so wenn Jugendliche zu fast 100% richtig liegen und den Finger in die Wunde legen. Meine Schwiegermutter in spe würde dazu nur sagen „Da musst Du jetzt durch“. Ich persönlich stehe hinter FFF, sehe einige Entwicklungen allerdings kritisch. Zum Beispiel die wachsende Verbindung zum extremen Linken Rand und auch zu den Gelbwesten. Dennoch muss es um die Sache gehen. Ich glaube das wird intern dort bei FFF auch sehr klar diskutiert. Auch sehe ich Gretas PR-Besuch mit Luisa Neubauer im Hambacher Forst auch etwas grenzwertig. Sich als Aktivist*in vermummt daneben zu stellen übrigens erschwert die notwendige gemeinsame Lösung der Klimapolitik. So hart es ist: bei so einem Termin muss man die unbeliebte und doch beteiligte RWE mit einladen. Da muß gesprochen werden. Fair, sachlich und ehrlich ohne falsche Anschuldigungen. Die Debatte ist schon wieder ins unsachlich gekippt. Und nein, ich bin kein Anwalt oder Sympathisant von RWE, doch ohne die Energiekonzerne wird eben keine Besserung gelingen. Ohne RWE wird kein vorzeitiger Ausstieg aus der fossilen Energie möglich sein. So sehr auch ich mir das wünsche, die Realität ist leider komplexer und beschissener als wir es uns manchmal wünschen.

Greta und FFF machen mit ihren jugendlichen Jahren auch Fehler. Waren wir, egal wie alt wir jetzt im Moment sind, fehlerlos? Ich habe in dem Alter dummes Zeug gemacht und war nicht auf der Straße für eine bessere Welt. Ich habe auch ab und an mal blau gemacht und vor der Glotze gehangen. 

Richtig ist, dass FFF noch viel lernen kann. Auch dass es nach hinten losgehen kann. Doch hat es diese Bewegung über religiöse und politische Grenzen hinweg geschafft für eine Sache auf die Straße zu gehen. Für unseren Planeten. Für unser aller Heimat. 

Welche Bewegung dieser Art schafft es in Deutschland, Amerika und Afghanistan auf die Straße? https://twitter.com/sascha_p/status/1160819207480709121?s=21 

Das sollten die vor allem älteren, teils rechten, Kreise wissen die in einer 16jährigen ihr Feindbild suchen. Ja, auch ich störe mich daran wenn sich die Menschen vermummen. Auch ich finde, dass die Antworten von FFF und Greta auf die Arbeitsplätze noch keine Substanz haben. Allerdings dafür gibt es die Politik – und die macht sich aus dem Staub. Der „Landesvater“ Armin Laschet sagte vor Monaten, dass es ja besser wäre wenn FFF in den Ferien und am Wochenende protestieren würde. Nun machen sie es – er ist nicht zu sehen. Sieht so die Verantwortung von uns Erwachsenen aus?

Ich habe mich vor ein paar Tagen richtig über Greta aufgeregt als sie in einem Antifa-Shirt auf der Couch saß und entsprechende Kreise dies auschschlachteten. Ich bin antifaschist und mag die Antifa nicht. Und dann fiel mir ein wie ich damals in Klamotten rumlief die in der Fan- und Fußballszene damals dem rechten Rand durchaus zuzuordnen war. Umstritten und doch was dran wenn man Lonsdale anhatte. Ich machte mir über Politik keine Gedanken. Das trugen eben die anderen Leute in meinem Alter im Block. Ich bin sehr froh sehr früh nicht in diese Szene abgerutscht zu sein und darum ist dieser sachliche Umgang mir sehr wichtig. Nicht jeder der entsprechende Marken und Klamotten trägt in jungen Jahren (!) ist einer solchen Szene bereits zuzuordnen. Und damit dies nicht passiert muss man sachlich, fair und offen miteinander sprechen.

Wir müssen auf die Argumente hören und da hat Greta und da hat Fridays for Future eben massiv recht. Sie wiederholen streng genommen die Punkte die vor 30 Jahren von Wissenschaftlern bereits angesprochen worden sind.

Liebe Leute: Greta ist 16. Sie hat eine Krankheit die wir wohl alle nicht kennen und nicht bewerten können. Ich sehe allerdings viele junge Menschen die sich sehr viel Zeit und Energie dafür nehmen um diesen Planeten besser zu machen und vor allem als Lebensgrundlage. Dabei sollten wir mitmachen. Dabei sollten wir sie unterstützen.

Was haben wir uns in jungen Jahren über klukscheissende Erwachsene aufgeregt – und sind es selber geworden. 

Dass ich diese Zeilen über ein Jahr nach den ersten FFF-Demos überhaupt so schreiben muss beschämt mich am meisten. 


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