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Rudelgucken BV Lindenthal effzeh ausbau geißbockheimDer 1. FC Köln will das Clubgelände sowie das „Geißbockheim“ erweitern. Allerdings stößt das in Köln selbst unter Effzeh-Fans sowie Mitgliedern auf Widerstand. Denn gebaut werden soll im denkmalgeschützten Naturschutzgebiet Grüngürtel. Ein Heiligtum wie der Effzeh selber. Entsprechend groß die Berichterstattung und das öffentlichen Interesse. In Zeiten von Corona gab es dazu einen Livestream inklusive Rudelgucken in der Baustelle der Bezirksvertretung Köln-Lindenthal.

Politische Livestreams sind keine Neuheit. Auch die Stadt Köln bietet sie an. Allerdings ohne Aufzeichnungen. Das Interesse an der Sondersitzung war groß. Es gab mehr Anmeldung als Plätze. Also konnten gut 50 Kölner*innen die Sondersitzung in der Bezirksvertretung verfolgen. Als Anwohner des Veedels hatte ich im Losverfahren „Glück“ und so saß ich dann auch in der Baustelle. Dort wurde die Sitzung live auf einem großen Monitor übertragen.

In korrektem Abstand und mit Mundschutz konnte man also am politischen Geschehen passiv teilnehmen. Mitarbeiter der Stadt und die beiden Sicherheitsleute nahmen allerdings das Mundschutzgebot und die Abstände alles andere als genau. Dies fiel am Rande auf.

In den Tiefen des Ratsinformationssystems der Stadt Köln findet man übrigens ein interessantes Dokument. Das Geißbockheim hat bereits eine Erweiterung hinter sich. Diese genehmigte der Rat der Stadt Köln 2008 nur, weil der Effzeh zusicherte, keine weiteren Bauvorhaben mehr anzumelden. Daran erinnert man sich nicht mehr gern beim Club. Der Antrag als solcher ist rechtlich übrigens sauber und korrekt. Es sind andere Gründe die dagegen sprechen – diese habe ich 2019 hier verfasst.

Seinerzeit hatte die Bezirksvertretung klar gegen den Ausbau gestimmt. Der Rat ignorierte dieses Votum des Veedels. Frage am Rande: Wozu dann eine Bezirksvertretung?

15 Bezirksvertrer*innen hatten sich also jetzt versammelt. 7145 Bürgereingebungen dazu gab es im letzten Jahr.

Die Sondersitzung began mit einer Erklärung der Grünen-Fraktion. Über 1.000 Seiten in gerade 14 Tagen als ehrenamtliche Mandatsträger*innen durchzuarbeiten, ist nicht zu leisten. Eine Erinnerung an Offenlage der Pläne während Sommerferien 2019 als Fingerzeig, dass das Vorgehen der Verwaltung erneut für Kritik sorgt. Nun erneut eine „Hauruck-Aktion“.

Herr Hilgers (SPD) lobt öffentliche Teilnahme und Teilhabe der Bürger*innen. Was er vergisst: viele Unterlagen und Informationen dazu sind weiterhin versteckt oder nicht öffentlich. Das öffentliche Interesse ist Folge der intransparenten Vorgänge. Ein schlechter Versuch etwas schönzureden. 

CDU Mandatsträgerin Frau Berthmann meint die Durchsicht war leistbar. Das Thema ist schließlich nicht neu. Herr Horn von den Grünen entgegnete, dass die Verwaltungsvorlage allerdings nicht vorlag. 

Die Linke schaltete leider ihr Mikrofon nicht ein, so dass die Stellungsnahme von Herrn Müller nicht zu hören war.

Herr Greitemann (Dezernat VI – Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Wirtschaft) merkt zu Beginn an: Vorlage war rechtzeitig und es sei klasse, dass so viele Bürger*innen eine Eingebung gemacht haben. Die Vorlage sei wie geplant noch in dieser Amtszeit nach bestem Wissen und Gewissen erstellt worden. Entscheidung und politische Bewertung kann man unterschiedlich einordnen.

Nach 30 Minuten kam Dr. Helmut Röscheisen zu Wort. Seine sachlichen Beiträge sorgten mehrfach für Applaus im Baustellensaal. Gefühlt haben alle Losgewinner eine eindeutige Meinung zum Ausbau: Dagegen. Dr. Röscheisen stellte heraus, dass die Pläne des 1. FC Köln fehlerhaft sind und dass die Verwaltung dies eben nicht sorgfältig geprüft habe. Der alternative Standort Marsdorf wurde künstlich kleingerechnet. https://www.bund-koeln.de/service/presse/detail/news/erweiterungsplaene-des-fc-koeln-im-gruenguertel-fehlerhaft/ 

Das Gutachten zum Klimaschutz, das Grundlage der Baupläne und somit Anträge ist, hat übrigens der 1. FC Köln gezahlt. Der selbe Gutachter wurde auch von der Stadt Köln beauftragt.

Herr Hilgers von der SPD scheint den Puls der Lindentahler*innen nicht mehr zu kennen. Er verteidigt den FC regelrecht. 

Frau Ritter von der CDU sorgte für bedrücktes Gelächter als sie sagte „Der Klimaschutz muss Zugeständnisse machen.“ 

„Der Klimaschutz muss Zugeständnisse machen.“ Christiane Ritter, CDU Lindenthal

Diesen Konflikt stellte der stellvertretende Bezirksbürgermeister Schüler auch fest. Die Entscheidung wird Anfang Juni in einer Sitzung der BV Lindenthal erfolgen. Vermutlich wieder mit Livestream. 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Verfahren

  • ohne gründliche Prüfung der Standortalternativen erfolgte,
  • in einem streng geschützten Gebiet ohne echte Ausgleichsflächen geplant ist,
  • gegen den Entscheid der Bürger anliegender Veedel erfolgt,
  • ohne Berücksichtigung getroffener Absprachen mit dem 1. FC Köln erfolgt,
  • und intransparent sowie schwer verständlich abgelaufen ist,
  • sowie unter Berücksichtigung des am 09.07.2019 ausgerufenen Klimanotstandes vollständig neu zu bewerten ist.

Es drohen Klagen. Selbst wenn Bezirksvertretung und Stadtrat dem Vorhaben zustimmen, haben Anwohner*innen und Verbände sehr aussichtsreiche Argumente. So schnell wird es also keinen Ausbau geben. Die Sturheit der Referenten und Dezernenten und auch des 1. FC Köln wird dafür sorgen, dass auf Kosten der Steuerzahler Gerichte entscheiden werden. Dabei gibt es eine Alternative und der Protest ist nicht gegen den FC, sondern seinen aktuellen Plan. 

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