CHIO 2011 in Aachen - Preis der NationenSausaas! Das war kalt gestern Abend in der Öcher Soers. Ich habe lange nicht mehr so, und vor allem im Sommer, gefroren wie gestern Abend. Viele Zuschauer saßen in Decken gehüllt auf den Tribünen. Der Stimmung tat dies glücklicherweise keinen Abbruch. Und es gibt ihn ja auch noch: de goede Rijder!

Mein Sitznachbar, ein sehr betagter aber unglaublich freundlicher Niederländer, hatte eigens einen Fahrer dabei, der ihn nicht nur zum CHIO geleitete, sondern ebenfalls bis hoch auf die Tribüne im Rollstuhl fuhr. Seit 49 Jahren besucht er das CHIO. „Da hält‘ mich doch meine Gebrechlichkeit nicht auf“, scherzte er. Allerdings befand auch er nüchtern, dass er solch ein Wetter zum Reitturnier noch nie in diesen 49 Jahren erlebt habe.

[singlepic id=617 w=200 h= float=”left”]Gut, für mich als absoluten „Gelegenheits-Chio-Gänger“ und Fan des „Drumherums“ war die Aussage kaum messbar. Geht der gute Mann doch fast doppelt solange in die Soers wie ich Jahre auf dem Buckel habe. Unabhängig davon genoss ich den Anblick des matschigen und vor Nässe glänzenden Rasens unter dem grellen Flutlicht sehr. Es hatte was vom alten Tivoli, der ja noch einen Steinwurf weit entfernt daneben steht. Die 40.000 Zuschauer trotzten dem mit Regen gefütterten Wind, der unablässig unters Stadiondach peitschte, und bewiesen erneut, warum sie weltweit als bestes Pferdesportpublikum gefeiert werden. So manche Schlacht auf dem alten Tivoli kam mir in de Sinn…

Es war mucks-mäuschen-still im Hauptstadion und die greifbare Spannung wurde lediglich durch knallende Champagnerkorken zerrissen, die ein paar Reihen weiter über mir im VIP-Bereich flogen. Unüberhörbar müssen auch gestern Abend unzählige Teller und Gläser zerdeppert worden sein. Zum Glück blieb es aber bei diesen Ausnahme. Das Publikum honorierte die Leistung eines jeden Reiters.

Der Teamchef hatte es bei der Vorstellung der Nationen bereits angekündigt nicht gewinnen zu wollen und so ließ sein Team den Worten auch Taten folgen: Die Dänen räumten wahrlich fast alles ab und zwei Starter wurden sogar „eliminated“. Mein sprichwörtlicher Nachbar kommentierte allerdings lediglich „Dat is een goede Rijder.”

[singlepic id=619 w=200 h= float=”left”]Für ihn war jeder Reiter ein guter Reiter und angesichts der Umstände (Wetter & Publikum) hatte er damit auch vollkommen Recht. Lagen nach dem ersten Umlauf noch Deutschland, England und Frankreich in Führung, sicherten sich die Niederländer den verdienten ersten Platz. Für meinen Nachbarn ein schöne Sache, hatte er doch noch zwischendurch das blanke Entsetzen in den Augen stehen: Die Niderländer benötigten mindestens einen dritten Platz für die Teilnahme bei den Olympischen Spielen.

Der letzte Reiter der Niederlande war, wie seine Teamkollegen, fehlerfrei durch den Parkour geritten und mein nachbar sagte nur “Dit is onze beste Rijder!”und lehnte sich entspannt zurück, den Schal aber mitlerweile auch um die Ohren gebunden. “Aber”, so sagte er immer wieder, “es gibt nichts schöneres als diesen Landes-wedstrijd in Aachen!” Kann man so stehen lassen – auch für einen Reitsportrookie wie mich 😉

Zu den Bildern der ersten drei Tage CHIO 2011 »

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert