Bei den Talentscouts

Gestern hatte ich die Gelegenheit mit weiteren “Role Models” etwas über meinen Lebensweg zu erzählen. An der FH Aachen hatten die Talentscouts einen Abend organisiert, auf dem unterschiedliche Charaktere über sich und ihre Karriere erzählt haben. Eingeladen dazu hatte mich eine ehemalige Mitschülerin. Das Projekt “Talentscouts” fördert Talente mit nicht-akademischem HIntergrund.

Talente deren Eltern nicht studiert haben, und so der Zugang zur Uni Neuland ist. Dies trifft natürlich auch auf Talente zu, die Migrationshintergrund haben.

Spannend war die Zusammensetzung und dass viele verschiedene Storys dabei waren. Eines haben alle gemeinsam: Was manche als Scheitern bezeichnen, haben wir als Chance genutzt. Beeindruckend war da zum Beispiel Hassan Moussaoui. Der gebürtige Libanese kam als Flüchtling im Alter von 5 nach Aachen. Konnte kein Deutsch und hatte hier kein Netzwerk. Auf der Hauptschule Aretzstraße, mit einem Ausländeranteil von 90% ging er zu Schule – oder wie er es sagte: zum Jugendtreff. Viele seiner ehemaligen Mitschüler sind heute im Knast. Er hat es dank Musik und seiner Freundin geschafft seine Abschlüsse nachzuholen.Sein Abitur und sein Studium mit einer 1 vorne abzuschließen. Heute ist er in Köln als Sozialarbeiter aktiv und kümmert sich genau um die Talente, die viele andere in unserer Gesellschaft als “verloren” bezeichnen. Das mag zutreffen – genauso trifft Hasans Aussage zu, dass in jedem ein Talent steckt und es einen Scout braucht der es zu Tage bringt.

Da ist meine Story ein Witz gegen. So viele Hürden und Gräben hatte ich nicht. Menschen wie Hasan brauchen unseren Support, damit Integration mit Leben gefüllt wird.

Diese Punkte habe ich den Talenten in persönlichen Gesprächen auf den Weg geben dürfen und vielleicht sind sie ja auch für dich interessant:

  • Sei du selber: Egal was du machst und wo: Bleib du. Bleib authentisch.
  • Mache Fehler: Niemand kann direkt alles. Niemand weiß direkt alles. Mache daher auch Fehler und stehe dazu. Und dann..
  • Lerne aus diesen Fehlern, allerdings auch von Kolleg*innen und Geschäftspartner*innen, anderen Studierenden und Dozent*innen nicht nur den Inhalt. Nimm auch das Menschliche mit. Suche dir Vorbilder in deinem persönlichen und beruflichen Umfeld.
  • Tausche dich aus: Der Austausch nicht nur innerhalb eines Unternehmens ist Gold wert. Mache Erasmus+ und lerne wie es in anderen Ecken Europas zugeht. Tausche dich international aus und blicke über den Tellerrand.
  • Gib weiter: Inspiration und Kreativität kann ansteckend sein. Jede und jeder hat Stärken die er anderen vermitteln kann. Man spricht von “Empowerment”
  • Investiere in deine Persönlichkeit – nicht nur in dein Wissen. Stärke deine Stärken und mache sie zu deinem Markenzeichen. Arbeite an deinen Schwächen. Investiere auch in dein Netzwerk und besuche Abende wie diese.
  • Engagiere dich: Sowohl persönlich als auch für die Karriere ist es super sich zu engagieren, zum Beispiel im Sportverein oder politisch. Das sorgt für Ausgleich, schafft positive Erlebnisse und ist sozial ein wichtiger Beitrag.
  • Netzwerke was das Zeug hält und lerne so neue Menschen, Perspektiven und Möglichkeiten kennen.
  • Sage Nein. Zum Beispiel zu Menschen die dich bremsen wollen oder meinen besser zu wissen was dein Weg ist. Manchmal muss man seinen Eltern und Familien das sagen. Nicht einfach – aber der eigene Weg geht nur mit eigenen Entscheidungen.
  • Bitte um Feedback bei deinen Freunden, Kolleg*innen und der Familie. So erfährst Du etwas über dich selber.

Eine Antwort auf “Bei den Talentscouts”

  1. Wer sich politisch engagiert, erweitert nicht bloß seinen eigenen Horizont, er (oder sie) reisst mit seinem Engagement gesellschaftliche Horizonte auch für andere auf.
    Auf Ratschläge von Scouts soll man hören. Nicht, um ihnen zu folgen, sondern um von ihnen zu lernen.

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