Lesezeit 3 Minuten

Ich war sehr geschockt am Samstag. Mehrfach hatte ich enrnsthaft überlegt zur Loveparade 2010 nach Duisburg zu fahren. Zugegeben: Die Wahrscheinlichkeit genau zu diesem Zeitpunkt an der Unglücksstelle gewesen zu sein wäre denkbar gering gewesen aber ein komisches Gefühl schlich sich dann doch in der Magengegend ein. Ich hatte nämlich bei der Hausarbeit – ja, auch wir Männer müssen Bügeln und Putzen – geplant den Umzug und die Abschlußkundgebung live im TV zu verfolgen. Als ich dann aber den WDR einschaltete wurde mir schlagartig schlecht.

Es wurde von einer Massenpanik berichtet und, dass es mindestens 10 Tote sowie unzählige Verletzte gäbe. Ich war geschockt! Jeder kannte mind. 10-20 Leute die da waren. Jeder machte sich Sorgen und Jeder wusste sofort, dass es eine dicke Tragödie mit ungeahntem Ende gegeben hatte. Sowohl im TV als auch im Netz waren unglaubliche Bilder zu sehen. Mir wurde nun auch noch regelrecht kotzübel.

Leblose Körper wurden hochgehoben, Menschen schrieen und Polizisten zogen im Akkord Menschen eine Brüstung hoch. Träumte ich das? Leider nicht! Selbst jetzt, als ich 2 Tage später darüber schreibe und noch nicht mal vor Ort war, läuft es mir eiskalt den Rücken runter.

In diversen Foren und Kommentaren wird darüber gesprochen und ich kann mich den vielen aber meist identischen Fragen und Äußerungen nur Anschließen: Veranstalter, Sicherheitsplaner und vor allem die Stadt Duisburg tragen, auch in meinen Augen, die Schuld an diesem Desaster! Selbst bei kleinsten Veranstaltungen weren mehrere Fluchtwege vorgeschrieben. Mit einem Eingang, der gleichzeitig auch der Ausgang ist und noch dazu einen solchen Flaschenhals darstellt, wurde schon lange vor der Loveparade von vielen Usern, gerade ortskundige Duisburger, kritisiert. Unglaublich!

Bei Fußballspielen oder Konzerten würde solch ein Sicherheitskonzept, so wie besagtes in Duisburg, niemals abgenickt und “grünes Licht” bekommen. Sowas macht mich richtig sauer!

Nicht nur wegen 19 Toten und 342, teils schwer, Verletzten – nein, auch mehrere Tausend Besucher und auch die Hilfs- und Einsatzkräfte werden diese Bilder nie vergessen. Nicht jeder Mensch ist zudem in der Lage diese Erinnergungen, Eindrücke und Erlebnisse für sich zu verarbeiten. Ein guter Freund war vor Ort – er ist in der Hundertschaft der Polizei. Er war in der Nähe des Unglücksortes und hat alles über Funk mitbekommen. Könnt Ihr Euch vorstellen wie krass das ist, alles mitzubekommen aber nicht helfen zu können? Und das alles nur aus Profitgier solcher hirnverbrannter Arschlöcher [diese Wortkombination verwende ich auf meinem Blog nur sehr sehr selten].

Nun sind zwei Nächte vergangen und immer mehr Menschen werfen den Opfern – und den Menschen die mittendrin waren – mangelnde Eigenverantwortung vor. Nicht ganz unberechtigt bei dem vielen Alkohol- und Drogenkonsum. Aber genau deswegen muss ja solch ein Sicherkeitskonzept stehen! Halten sich alle an die Spiel- und Verhaltensregeln passiert nichts. Wenn aber alkoholisierte und berauschte “Raver” kommen – was ja nun nicht neu ist – ist es die verdammte Pflicht der Organisatoren, Veranstalter und aller Beteiligten, die Anderen davor zu schützen. Oder glaubt Ihr, dass die beiden spanischen Mädchen, der Rechtsanwalt und alle anderen Verünglückten und Verletzten besoffen und berauscht waren??? Dieses Argument spricht noch viel mehr für die Schlamperei als dagegen.

Grotesk finde ich, wenn ich heute lesen muss, dass es “Zehn Fluchtwege auf [einem] Kirmesplatz” gibt. Ob Karneval, Sommerkirmes oder Vereinsveranstaltung aufm Dorf – jetzt wird das Ganze ins Lächerliche gezogen. Ich gehe davon aus, Ihr denkt ähnlich drüber und schreibt was dazu in die Kommentare.


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.