Von der Solidarität der Griechen und Deutschen

Vor 51 Jahren übernahm in Griechenland eine Obristenjunta durch einen Militärputsch die Macht. Das Regime hielt sich trotz griechischen und europaweiten Widerstands sieben Jahre lang. Neben den Niederlanden und Skandinavien bildete die Bundesrepublik Deutschland ein wichtiges Zentrum der Oppositionsbewegungen gegen die Obristendiktatur. Dabei spielten Parteien, Gewerkschaften und politische Stiftungen eine zentrale Rolle. Nicht zuletzt die SPD und an ihrer Seite die Friedrich-Ebert-Stiftung praktizierten Solidarität mit dem Widerstand in Griechenland. Aber auch Exilgriechinnen und Griechen erhoben ihre Stimme, obwohl der lange Arm der Junta und deren Einschüchterungsversuche bis ins Ausland reichten. Namhafte Medien, besonders herauszuheben sind die Deutsche Welle und der Bayerische Rundfunk, verliehen dem Widerstand eindrucksvoll Bild, Text und Stimme.

Die bis zum 19.05. auch in Aachen zu sehende Ausstellung wurde in deutsch-griechischer Kooperation erarbeitet und vom Auswärtigen Amt gefördert. Über die politisch-historische Würdigung hinaus führt sie die überragende Bedeutung des gemeinsamen Bekenntnisses zu Demokratie und Solidarität in Europa auch im aktuellen politischen Kontext deutlich vor Augen. Klein aber fein in der Stadtbibliothek Aachen und einen Besuch definitiv wert.

Neben der Arbeiterschaft (vor allem in München aktiv) waren es die Studenten in Aachen, die Öffentlichkeit und Widerstand schafften. Zeitzeugen berichteten bei der Eröffnung der Ausstellung am 25.04. in Aachen eindrucksvoll davon. Dieser vergessene gemeinsame solidarische Widerstand ist ein positives Beispiel der deutsch-griechischen Beziehungen. Nach dem zweiten Weltkrieg waren es die Griechen die sich Deutschland solidarisch anschlossen. Die Weltgemeinschaft hielt sich mit Kontakten zurück und lud auch den Bundespräsidenten nicht ein. Dies änderte sich mit einem Vorstoß Griechenlands: Ernst August von Hannover überbrachte dem damaligen ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss die Einladung des griechischen Königs Paul. Der Staatsbesuch wurde ein großer Erfolg, tausende Athener gingen, um das Staatsoberhaupt zu begrüßen, zum Bahnhof, wo das Begrüßungszeremoniell stattfand. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland bezeichnete Heuss die Reise als „Rückwanderung in die eigene geistige Heimat“. Der Außenminister Heinrich von Brentano nahm die euphorische Stimmung zum Anlass, bilaterale Abkommen im Bereich Kultur und Erziehung abzuschließen. Ausländische Botschafter blieben dem offiziellen Empfang demonstrativ fern, es folgte jedoch eine Einladung der Türkei, der sich Heuss wie zu Griechenland persönlich verbunden fühlte.

All dies scheint vergessen. In Griechenland bleiben die Stimmen laut, die Reparationen fordern. In Deutschland reagiert man darauf verhaltend verweist auf ein unvollständiges Abkommen. Griechen wie Deutsche sollten die Zeit der Militärjunta daher mehr erwähnen und zeigen: Wir haben einander beigestanden, als Europäerinnen und Europäer gefoltert und verfolgt wurden.

Einige Eindrücke habe ich hier. Zu dem Thema der Deutsch-Griechischen Beziehungen zwischen 1967 und 1974 werde ich hier demnächst vertieft eingehen.

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