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Mittlerweile hat das Thema, zumindest was die breite Öffentlichkeit angeht, etwas nachgelassen: Die Wirtschaftskrise in Griechenland. Informierte wissen, dass im Oktober 2009, nachdem die Griechische Regierung die Staatsverschuldung auf 12,7 Prozent revidiert hat, Herabstufungen der Ratingagenturen folgten und somit die Eurogruppe zum Handeln zwang.  Ein Hilfspaket, verbunden mit teils strengen Auflagen, wurde verabschiedet und im April 2010 von den Griechen in Anspruch genommen. Für viele von uns unverständlich, warum die Hellenen trotz Hilfe aus dem europäischen Ausland auf die Straße gingen und gegen das Sparprogramm demonstrierten.

Wer aber die Griechen kennt und ihre Mentalität kennengelernt hat, wird feststellen, dass die Demonstrationen nicht unberechtigt waren. Wieso muss der “kleine Mann” auch auf noch mehr verzichten, wenn nur 5(!) Millionäre in Griechenland ihre Steuern zahlen. Wer mal in Piräus im Yachthafen war, wird feststellen, dass es alleine deren 150 geben muss, alleine aufgrund der Boote. Die Griechen haben halt einen ungeheuren Gerechtigkeitssinn, obwohl die südländische Lebensart sie selber oft nicht so handeln lässt.

Jorgos kellnert für die Finanzierung seines Studiums

Ich möchte aber, weniger um sie in Schutz zu nehmen, als viel mehr das Verständnis für die Mentalität zu wecken, ein par Freunde interviewen. Angefangen wird mit Jorgos. Er ist 20 Jahre jung und studiert in Athen Telekommunikationstechnik und Informatik. Teilweise muss er selber schon Vorlesungen vorbereiten und halten. Das nötige Geld fürs Studium bekommt er durch mühsames Sparen seiner Eltern und durch das Kellnern in einer Taverne in den Sommerferien.

Jorgos, Du bis Kellner in einer gut laufendenden Taverne, allerdings 400 Kilometer von Athen entfernt. Wie sieht es mit der Jobsuche aus?

Jorgos: Ich habe zwar den Job als Kellner aber der ist nur übergangsweise. Eigentlich suche ich einen Job in Athen.

Warum glaubst Du sind die Griechen in diese Wirtschaftskrise gerutscht?

Jorgos: Meiner Meinung nach ist die Wirtschaftskrise in Griechenland mit der Einführung des Euros als nationale Währung entstanden. Die Preise sind explodiert  und gleichzeitig haben die Griechen einfach weiter Geld ausgegeben. Ein bisschen wie in Amerika mit den Krediten. Allerdings steigen die Preise weiter aber das Lohnniveau ist seit Jahren unverändert.

Die Eurogruppe bzw. die EU hat ein Hilfsprogramm für die Griechen mit Krediten usw. beschlossen. Was hältst Du davon und glaubst Du, dass es hilft?

Jorgos: Ich kann schwer beurteilen, inwiefern uns das hilft und aber ich hoffe, dass wir daraus lernen und sich die finanzielle Situation entspannt.

In den Nachrichten hier in Deutschland sahen wir die Griechen auf den Straßen demonstrieren. Man war mit dem Sparprogramm nicht einverstanden. Stimmst Du den Demonstranten zu oder glaubst Du, dass ist unsinnig?

Jorgos: Ich stimme den Demonstranten weitestgehend zu. Die Kontrolle und Entscheidungsmacht hat nun mal die Regierung und da läuft halt einiges verkehrt.

Kannst Du erklären, warum die Griechen gerne demonstrieren?

Jorgos: Ich kann es eigentlich nicht erklären. Wenn uns etwas stört oder aufregt, gehen wir halt auf die Straße. Wenn ich weiß oder herausgefunden habe, werd ich es aber mitteilen 😉

Vor der Krise hattest Du mir erzählt, dass es in Griechenland schwierig ist ein Job als junger Mensch zu bekommen. Ist dies weiterhin so?

Jorgos: Es ist nachwievor sehr schwierig. Vor der Krise gab es Jobs aber die Stellen waren besetzt. Nun werden Arbeitsplätze abgebaut und es ist noch schwieriger als vorher einen Job zu finden. Generell ist es aber ein Problem auf dem Arbeitsmarkt für alle: Die Löhne sind einfach zu niedrig im Gegensatz zu den Kosten die Jeder hat. Das Gehalt reicht eigentlich nicht aus.

Welche Lösung und Wege gäbe es, um aus der Krise zu gelangen?

Jorgos: Die Preise dürfen nicht weiter steigen, nach Möglichkeit sogar sinken, damit wir Konsumieren können. Auch brauchen wir einfach weiter die Hilfe der europäischen Union. Vor allem müssen wir alle unseren Teil dazu beitragen. Auch die Millionäre!

Und zum Abschluss noch die Frage, was hältst Du von den Deutschen?

Jorgos: Die Deutschen sind super freundlich und man kann sich prima mit ihnen unterhalten und diskutieren. Auch kann man mit ihnen tolle Feste und Partys feiern. Aber die trinken auch echt viel Bier, was als Kellner echt anstrengend sein kann 😀

Σας ευχαριστώ πολύ (Vielen Dank)


1 Kommentar

Illegal nach Griechenland » Der Friedri.ch - ene Öcher Schäng · 11. April 2011 um 13:31

[…] Nicht unerheblich ist die, vor allem nun tief in der Krise steckende,  griechische Wirtschaft. Das hochverschuldete sowie von Schattenwirtschaft und Korruption geprägte  Land (140% des BIP alleine in 2010) ist zudem extrem bürokratisch. So muss ein Bürger aus dem tiefsten Süden des Peleponnes für viele Angelegenheiten extra nach Athen reisen. Ohne ein ausgebautes Schienennetz und seit Jahren nicht reparierten Autobahnen ist der Grieche mindestens einen Tag unterwegs. Die Unzufriedenheit ist groß, wenn man beispielsweise Ärzte schmieren muss um Behandlungs- und Operationstermine zu bekommen. Für die Entfernung eines Muttermals musste eine Freundin erst 300 € für einen Termin zusätzlich unter der Hand zahlen und nochmals 3.000 € für die Operation. Die Lebenshaltungskosten sind seit der Einführung des Euros für griechische Verhältnisse explodiert, die Löhne aber nicht gestiegen. So hat nun vermehrt die Bevölkerung Angst vor den illegalen Einwanderern auch die schlecht bezahlten Jobs, um die sich in Griechenland lange nicht so viele drücken wie bei uns, zu verlieren. (siehe auch: Jorgos über die Krise in Griechenland) […]

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