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Kolonne der Feuerwehrfahrzeuge in einem Wald voll Rauchschwaden
Kolonne der Feuerwehrfahrzeuge in einem Wald voll Rauchschwaden | Bild: Feuerwehr Bonn

„Die EU“ – oft kritisiert und in Frage gestellt. Oft berechtigt – und doch sind die europäischen Institutionen viel mehr eine Chance und eine Errungenschaft. Als im Juli durch Starkregen die Flüsse insbesondere in Deutschland und Belgien zu reißenden Strömen wurden, waren aus Europa die Kräfte nach Belgien gekommen. Normalerweise sind die Deutschen schnell über die Grenze – aber wir hatten ja selber alle Leute in Eifel, Rheinland-Pfalz und der Städteregion Aachen im Einsatz. Auch Süddeutschland war tags drauf betroffen.

Und kaum waren die gröbsten Schäden beseitigt und die Einsatzkräfte in der Lage einmal durchzuatmen, kam der nächste Hilferuf. Diesmal aus Südeuropa. Auf europäischer Ebene gibt es für Katastrophen – wie z.B. Waldbrände und auch Hochwasser – eine Möglichkeit in einem solchen Katastrophenfall schnell Unterstützung anzufordern. Italien hat dies für Sardinien angefordert – und auch Griechenland.

Der Mechanismus heißt ECHO und steht für European civil protection and humanitarian aid operations (auf Deutsch: Generaldirektion Europäischer Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission):

Der 2001 eingerichtete Mechanismus fördert die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Katastrophenschutzbehörden in ganz Europa. Derzeit beteiligen sich 31 Länder an dem Mechanismus: alle 28 EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Norwegen und Nordmazedonien. Der Mechanismus wurde eingerichtet, um die Hilfe der beteiligten Staaten für Opfer von Natur- und vom Menschen verursachten Katastrophen in Europa und dem Rest der Welt zu koordinieren.

Wikipedia

Auf Instagram sah ich dann die Bilder der Feuerwehr Bonn. Diese ist gemeinsam mit den Feuerwehren aus Leverkusen und Königswinter am Sonntag, 8. August, nach Griechenland aufgebrochen. Sie kämpfen dort mit 57 Einsatzkräften und 18 Einsatzwagen zusammen mit Kolleg*innen aus Tschechien in der Region Pyrgos gegen die Waldbrände. Die Anfrage kam am 6. August – einem Freitag – aus Brüssel und die 12 hauptamtlichen und 45 ehrenamtlichen Kräfte sollen dort sieben Tage im Einsatz sein.

Waldbrände unweit von Olympia. Das Bild zeigt eine Karte und einen Kartenausschnitt der Region.
Waldbrände unweit von Olympia

Die dortigen Feuer bedrohen nicht nur die Ortschaften. Es brennt unweit der antiken Städten von Olympia. Auch auf der Insel Euböa brannte es heftig. Mehr als 1.000 Quadratkilometer Fläche brannten – damit erlebt Griechenland die schwersten Brände seit 2007, als 2.500 Quadratkilometer verbrannten.

Zum Glück hat Regen in den letzten 24 Stunden für zusätzliche Unterstützung gesorgt. Die Griechen feierten es mit Hupkonzerten.

Die Brände im gesamten Mittelmeerraum sind dramatisch und daher verschweige ich nicht, dass es auch in Algerien, Italien, Spanien, Portugal, und der Türkei. Der Klimawandel ist übrigens nicht für die Brände als solche verantwortlich, sondern Brandstiftung. Das trockene und heiße Klima begünstigt allerdings die schnelle und starke Ausbreitung. Zudem bedeuten die vielen Feuer auch eine Überlastung der Einsatzkräfte.

Ein Feuerwehrmann aus Deutschland löscht brennende Olivenbäume
Ein Feuerwehrmann aus Deutschland löscht brennende Olivenbäume | Bild: Feuerwehr Bonn

Ich kenne die Region, da ich jedes Jahr auf dem Peleponnes bin. Es ist meine zweite Heimat, obwohl ich keinerlei griechische Wurzeln in mir trage. Ich bin den Feuerwehren zutiefst dankbar, dass sie den Menschen in Griechenland helfen. Exemplarisch stehen sie für diese -weitgehend unbekannte – Errungenschaft der Europäischen Union. Dank der gemeinsamen Möglichkeiten ist es problemlos möglich über sämtliche Grenzen zu den Einsatzorten zu fahren. Hier gibt es kaum Bürokratie (vermutlich noch zu viel, aber weniger als ohne eine EU).

Ich bin der Meinung, dass es nicht erst Brennen muss oder Überschwemmungen geben muss, damit man zusammenarbeitet. Das ist es, was mich so wütend macht. Die Überflutungen und Waldbrände hätten sich nicht verhindern lassen – aber wie schlimm wäre es, wenn es mehr gemeinsame Klima- und Umweltpolitik gäbe? Was muss noch passieren, dass man endlich viel mehr eine gemeinsame Strategie für die Herausforderungen unserer Zeit angeht?

Ich bin jedenfalls sehr dankbar, dass es bereits solche Mechanismen und Wege gibt. Ich danke da allen Einsatzkräften von Herzen. Genau das ist das Europa dass es bereits gibt: ein solidarisches und gemeinsames Europa. Eine dass sich im Katastrophenfall hilft. Ein Europa, dass sich nicht im Stich lässt.

Mehr davon!


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