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Macron alleine kann Tihange nicht abschalten

Frankreis Präsident Macron (m) mit Aachens ehemaligem Oberbürgermeister und Vorsitzenden des Karlspreisdirektoriums  Dr. Jürgen Linden (l) und dem amtierenden Oberbürgermeister Marcel Philipp (r.)

Frankreis Präsident Emmanuel Macron (m) mit Aachens ehemaligem Oberbürgermeister und Vorsitzenden des Karlspreisdirektoriums Dr. Jürgen Linden (l) und dem amtierenden Oberbürgermeister Marcel Philipp (r.) (c) Stadt Aachen / Andreas Herrmann.

Der französische Präsident Emmanuel Macron wird am 10. Mai in Aachen den Karlspreis entgegen nehmen. Neben der anfänglichen Kritik, welche tatsächlichen Verdienste er vorzuweisen hat, kommt nun die Initiative Stop Tihange dazu und ruft zum Protest am 10.05. auf. Warum ich als Atomkraftgegner diesen Aufruf für unsinnig halte möchte ich hier kurz loswerden.

Aus Sicht des Aachener Aktionsbündnisses gegen Atomenergie (AAA) könnte die Wahl des Karlspreisträgers 2018 nicht besser sein. Em[m]anuel Macron ist mittelbar der größte Einzelaktionär des AKW Tihange. Der französische Staat ist sogar über zwei Wege Besitzer des Reaktors; einmal über eine rd. 25%-Beteiligung des französischen Staates an Engie SA[1] und ebenso über die Beteiligung der EDF an Tihange[2]. [.. ] Tihange ist ohne Zweifel ein europäisches Thema. Falls Macron dem europäischen Gedanken verpflichtet ist, darf er in Aachen nicht zur grenzüberschreitenden Gefährdung durch das Risse-AKW Tihange schweigen. Wird er hierzu als französischer Präsident, als Europäer und erst recht in seiner Rolle als Karlspreisträger 2018 Stellung beziehen?

Dieser ersten Mitteilung[3] vermag man sich da noch anschließen, doch mittlerweile finden jeden Samstag auf dem Aachener Markt Mahnwachen[4] statt. Die Person Macron wird bei dem Protest in den Mittelpunkt gerückt, die französische Energiepolitik dabei nicht erwähnt. Emmanuel Macron mag der größte Einzelaktionär sein, doch hat er nicht mit Nicolas Hulot auch einen Umweltminister, der aktuell (noch?[5]) der beliebteste französische Politiker ist?

Ein französischer Umweltminister, der gegen Atomkraft ist[6].

Auch wenn es schwer fällt: In Belgien und Frankreich sieht man anders auf die Atomenergie. Positiver und bedenkenloser. Ein Heiligtum. Dies beginnt zaghaft zu kippen. Tihange und Doel2 sind in der Tat ein europäisches Problem – insbesondere für die Kläger und Gegner insbesondere in Deutschland. Ohne europäische Institutionen und Regelungen lassen sich die Kraftwerke in der Tat nicht abschalten.

Wieso ein Protest gegen Verbündete?

Zweifelsohne hat Macron neoliberale wirtschaftspolitische Elemente und geht die sozialen Reformen im eigenen Land hart an. Innenpolitisch eine harte Nuss – aber zu trennen von den europäischen Ideen und Forderungen, die man zusammen diskutieren muss. Die Chance, ihn als Einzelaktionär und Einflussnehmer, ja Mitstreiter, zu gewinnen, halte ich für gering, wenn man ihn als Gegner ausmacht und behandelt.

Gegen Tihange und Doel bin ich weiter – auch auf der Straße – aber nicht bei einem solchen Protest. Aktuell ist es wichtig gemeinsam und geschlossen gegen die Spaltpilze aufzutreten. Die freuen sich, dass man die Prioritäten falsch setzt. Nur ein besseres und damit engeres Europa[7] kann diese Atomkraftwerke hingegen vorzeitig abschalten – und Europa bedeutet eben gemeinsam und langsamer als man es sich manchmal wüsncht. Dies sollten die Protestler bedenken.


 

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Endnotes:
  1. französischen Staates an Engie SA: https://www.engie.com/en/shareholders/engie-share/shareholder-structure/
  2. die Beteiligung der EDF an Tihange: https://en.wikipedia.org/wiki/Tihange_Nuclear_Power_Station
  3. Dieser ersten Mitteilung: https://www.anti-akw-ac.de/aachener-anti-atom-organisation-begruesst-die-wahl-von-emanuel-macron-zum-karlspreistraeger-2018/
  4. jeden Samstag auf dem Aachener Markt Mahnwachen: https://kraz.ac/protest-bei-der-karlspreisverleihung-an-macron-2834
  5. noch?: http://www.spiegel.de/politik/ausland/nicolas-hulot-hat-der-franzoesische-umweltminister-pascale-mitterrand-vergewaltigt-a-1192848.html
  6. der gegen Atomkraft ist: http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-11/nicolas-hulot-frankreich-umweltminister-emmanuel-macron-atomkraft-glyphosat-elektroauto/komplettansicht
  7. Europa: https://www.derfriedri.ch/tag/europa/
  8. #VoltGA – öffentlicher „Doppelwums“ in Prag: https://www.derfriedri.ch/voltga-oeffentlicher-doppelwums-in-prag/
  9. Zuhören und nicht überzeugen wollen: https://www.derfriedri.ch/zuhoeren-und-nicht-ueberzeugen-wollen/
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