- Friedrich Jeschke - https://www.derfriedri.ch -

Ich würde “Nein” sagen

Wappen der Stadt AachenWäre ich Mitglied des Aachener Stadtrates und müsste nun am Mittwoch meine Stimme für oder gegen eine finanzielle Rettungsaktion der Alemannia abgeben, so hätte ich für meinen Teil eine Entscheidung getroffen. Ich würde der Rettung nicht zustimmen. Richtig gelesen! Ich sage Euch auch gerne warum.

Die Alemannia ist seit vielen Jahren – um genau zu sein seit 1998 – mein Verein. Wer mich dazu auch ein bisschen besser kennt weiß, dass ich die Alemannia sehr sehr weit oben auf meiner Liste stehen habe. Freunde und Familie haben nicht selten das Nachsehen. Spielt die Alemannia oder gibt es eine wichtige Veranstaltung, will ich dabei sein.

Die letzten Jahre haben allerdings gewaltig am Vertrauen in diese Alemannia gerüttelt. Das es in Vereinen Machtspielchen und Klüngelei gibt ist nichts Neues und bei aller Fußballromantik und der damit verbundenen Naivität eines Stehplatzfanatikers, hat man dann doch irgendwann einen Punkt erreicht, an dem man sagt: Es reicht!

Folgende Fragen würden mir als Stadtrat durch den Kopf gehen, die es ja dann zu beantworten und vor allem zu verantworten gilt:

Riskiere ich einen Nothaushalt (der sowieso schon immer näher rückt) für einen Verein, dessen Fans einen Konflikt nicht lösen können und wollen? Fangruppen, die von sich behaupten „100% für ihren Verein“ zu geben, diesem aber u.a. durch Strafen für Pyrotechnikverstöße schaden?

Wieso hat der Verein, der nun meine Stimme für sein Fortbestehen braucht, oftmals die Unterlagen lückenhaft, nicht vollständig oder gar nicht auf dem neusten Stand? Wieso müssen wir die Arbeit machen, die eigentlich dem Verein obliegt? Apropos: Wäre es überhaupt richtig, einem Verein bzw. dessen GmbH zu helfen? Wie gehe ich (und die Stadt bzw. der Rat) mit anderen Unternehmen um, die sich verkalkuliert haben?

Und wo wir dann gleich beim Kalkulieren sind: Wieso sitzt der Mann, der diese Situation zu verantworten hat noch am Verhandlungstisch? Erst bringt er die Alemannia in diese Situation und dann greifen sämtliche Planrechnungen und „Worst-Case-Szenarien“ nicht.  Wieso sollte die jetzige Planung denn ausgerechnet mal stimmen?

Und wieso hat die Alemannia im Zuge dieser ganzen Aufbereitung nicht gleich mal die Vorhänge beiseite gezogen und reinen Tisch gemacht? Hätte man nicht die „Väter“ mit ins Boot holen sollen und, auch im Interesse der Fans, Mitglieder uns insbesondere der Fan-Anleihen-Zeichner für Informationen sorgen müssen? Wäre es nicht angebracht gewesen, auszusprechen, was eigentlich alle wissen?

Und wieso wird in diesem Verein mit zweierlei Maß gemessen? Wieso werden bei fragwürdigen Fakten nicht auch Untersuchungen zur Ursache der misslichen Lage durchgeführt? Wieso lobt und dankt man den Leuten, die dafür gesorgt haben, dass ein Stadion zum Festpreis steht, aber noch unfertige Gebäude aufweist? Und wie kann es sein, dass die Aachener Bank ein Darlehen gewähren konnte und durfte, wo doch der Schatzmeister gleichzeitig Vorstandsvorsitzender dieser Bank war? Wieso wurden nicht Untersuchungen von unabhängiger Seite angestrebt und festgestellt, ob diese Personen, die gleich an mehreren Schreibtischen saßen, nicht in die Verantwortung genommen werden können – egal von welcher Seite ?

Gebe ich jemandem Geld, der bisher nicht damit umzugehen vermochte?

Und so richtig geschickt ist es übrigens auch nicht, wenn einer der beiden Geschäftsführer in einer der wichtigsten Wochen der Alemannia zum Segelurlaub entschwindet. Nichts gegen einen verdienten Urlaub, aber den Zeitpunkt darf man gerne als unpassend bezeichnen.

Irgendwo muss man einfach einen Strich machen. Ich finde, er ist erreicht. Wer meint, wir müssten auf jeden Fall gerettet werden und koste es, was es wolle, der mag am Ende hoffentlich doch irgendwie Recht behalten und die Rettung gelingt und funktioniert.

Auch ich würde mich freuen, wenn es weiter zweite Liga bedeutet und eine gewisse Grundplanung wieder möglich ist. Natürlich sehe ich die Alemannia lieber gewinnen statt verlieren. Aber es geht auch um das Geld der Öcher und es geht um die Aufrichtigkeit.

Wir regen uns über Öl-Konzerne sowie Energieversorger auf und beteiligen uns an (Online-)Protestaktionen, aber für unseren Verein halten wir brav die Fresse und stimmen in breiter Mehrheit für einen Blankoscheck und gewähren immer wieder Vertrauensvorschüsse. In den vergangenen Jahren wurden wir dafür bestraft und bitter enttäuscht.

Sollte die Rettung (und ich liege dann auch gerne falsch) gelingen, müssen wir Konsequenzen nachhaltig einfordern. Man hat schließlich auch mit unserem Anleihen-Geld gezockt. Erst wenige Tage vor der Ratsentscheidung wird überhaupt eine Möglichkeit sichtbar, wie unser in die Alemannia investiertes Geld ausbezahlt werden kann. Mal ehrlich Leute: Jede Bank, bei der Ihr das rausbekommen hättet, hättet Ihr vors Gericht gezerrt und Euer Recht eingeklagt. Das geht auch bei der Alemannia!

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