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Alemannia geht auch ohne Investor

Alemannia_Aachen_Tivoli_Investor_derFriedrichSchatzmeister Horst Reimig formulierte es Mitte April so[1]: „Wenn wir keinen Investor finden sollten, werden wir in allen Bereichen kürzen, auch im Sport.“ Doch ist dem tatsächlich so? Ist ein Investor die einzige Rettung? Ich sage Nein! Hier meine Begründung.

Die Alemannia schreibt im zweiten Jahr nach der Insolvenz rote Zahlen. Laut Aufsichtsratsvorsitzendem Dr. Steinborn sind die Verluste (ca. 500.000 €) gegenfinanziert. Wie? Das wissen nur er und seine Vorstandskollegen sowie Alemannia Geschäftsführer Skrzypski. Und hier beginnt auch schon die Erklärung.

Mindestens 50% in den Sportetat

Nach eigenen Angaben hat Alemannia Aachen einen Gesamtetat von gut 5,5 Millionen Euro. Davon gehen aber nur 1,8 Millionen Euro in die erste Mannschaft (inklusive Betreuer, Reisekosten, usw.). Das nur 32% des Etats in die erste Mannschaft fließen ist deutlich zu wenig.

In der Hoffnung, dass die Sponsoreneinnahmen stabil bleiben, müssen also Ausgaben gekürzt oder geändert werden, damit mehr Geld dem Sport zur Verfügung steht. Ausgaben zum Beispiel beim Personal und beim Nachwuchsleistungszentrum (NLZ).

Das NLZ ist einer der größten Kostenpunkte der Alemannia. Die Philosophie, junge Talente aus der Region in der Region zu halten ist richtig – doch kann Alemannia sich diese Philosophie noch leisten? Zudem haben die geänderten Regularien des DFB direkte Auswirkungen auf die Kalkulation: Die Richtlinien, wann es eine Förderung vom DFB gibt, wurden geändert. Das damals richtig ausgegebene Ziel sollte also durchaus neu diskutiert werden.

Als Regionalligist sind Fans und Mitglieder das Kapital. Unter den Fans finden sich immer Menschen, die ehrenamtlich und gegen kleine Aufwandsentschädigungen tatkräftig anpacken. Zum Beispiel beim Fanshop oder dem Spieltagsbetrieb.

Voraussetzung: Vertrauen schaffen!

Das sind alles keine neuen Ideen – doch sie werden vernachlässigt. Der Mitgliedschaft nun – aller Voraussicht nach-  zu sagen, eine Investorenlösung sei alternativlos, ist eine Frechheit. Die aktuelle Führungsetage der Alemannia hat es leider versäumt das Vertrauen wieder aufzubauen. Der Frust über den Absturz und die Talfahrt – und vor allem das „Wie!“ – sitzen in der Region tief. Das der Alemannia aktiv angebotene ehrenamtliche und professionelle Know-How von Seiten der Fans wurde mehrfach ignoriert. Beteiligte Mitglieder sind mittlerweile auf eine seinerzeit unvorstellbare Distanz zur Alemannia gegangen.

Ein Verein und die Tochter – die GmbH – hätten mindestens den Mitgliedern, wenn nicht gar allen Fans, Einblicke in die Situation geben müssen. Transparenz bis auf die Knochen ist nicht gesetzlich oder per Satzung zwar vorgeschrieben, doch nach der Vorgeschichte meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit Vertrauen zu erneuern.

Die von der Mitgliedschaft dafür gewünschte Aufarbeitungskommission gibt es übrigens nicht mehr – auch weil das Präsidium den zugrunde liegenden Mitgliederbescheid nicht so wichtig sah. Im Gegenteil: Es gibt Vorstandsmitglieder die weiterhin in dieser notwendigen Transparenz ein persönliches Problem sehen. (Anmerkung: Ich war Mitglied dieser Kommission. Da es aus mehreren Gründen in dieser Kommission nicht voran ging, habe ich sie 2015 verlassen.)

Vertrauen ist der Schlüssel

Nicht ein Investor wird Alemannias Probleme lösen. Notwendig sind professionelle Strukturen und Arbeitsweisen – sowie Vertrauen. Nur dann bleiben Fans, Mitglieder und Sponsoren treu. Die Region Aachen hat das Potenzial. Sie hat es mehrfach bewiesen. Und auch Investoren erwarten das – aber noch viel mehr.

Bevor wir uns in Aachen auf einen womöglich folgenschweren Deal einlassen, sollten wir lieber dafür sorgen, dass die Sage vom Lousberg nicht umgeschrieben werden muss. Den Teufel überlistet man selten zweimal.

Die jüngst aufgestiegenden Würzburger Kickers haben eindrucksvoll bewiesen, dass man mit kleinem Budget erfolgreich sein kann. Würzburg hatte einen Gesamtetat von gut 3,5 Millionen Euro (in der dritten Liga!).

Alemannia braucht mehr Transparenz, mehr Professionalität und eine klare Linie. Die Veränderungen im Personal (sportlich wie nicht-sportlich) der vergangenen zwölf Monate waren einfach zu viele. Die Frage ist: bekommen das die Verantwortlichen noch hin?

 

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Endnotes:
  1. formulierte es Mitte April so: http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/alemannia-ohne-investor-folgt-der-sparkurs-1.1341917
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