Don‘t leave your luggage unattended!

Kölner-Koffer-Affäre„Sag mal: Wo ist eigentlich der Trolli?“ fragte meine Freundin am Sonntag als wir die letzten Klamotten in ihre neue Kölner Wohnung getragen hatten. Ne gute Frage! Ich hatte das Auto noch einmal umgeparkt und da war der Trolli nicht mehr drin. Wo konnte er also sein? Ich konnte ja nicht ahnen, dass der Trolli in diesen fünf Minuten für Aufsehen sorgte.

Ich flitzte also nochmals aus der Wohnung. An der Straße stand er nicht und so lief zurück zum ursprünglichen, Parkplatz, wo ich zum ausladen gehalten hatte. Da stand aber nirgendwo der Trolli – also vielleicht doch im Auto?

Während ich also zwischen den Autos nachschaute, die Straße links und rechts, rauf sowie runter inspizierte, stieg plötzlich ein Polizist aus seinem Dienstfahrzeug – ich hatte es bis dahin gar nicht bemerkt – und fragt „Kann ich ihnen helfen?“

„Vielleicht!“ sage ich. „Ich suche einen Trolli. Vermutlich habe ich den hier stehen lassen.“

Polizist: „Wie sieht er denn aus?“

Ich: „Kleiner Trolli. Graue Farbe.“

Polizist: „Können Sie sagen was drin ist?“

Ich: „Nicht wirklich. Meine Freundin hat den gepackt. Aber sie ist sozusagen um die Ecke in der Wohnung. Sie können sie anrufen und fragen.“

Während dieses Gesprächs waren wir ein paar Schritte um das Polizeiauto gegangen – und da stand dann auch der Trolli. Aber mir erschloss sich noch nicht diese ganze Aufregung um diesen Koffer.

Plötzlich tauchte dann auch der zweite Polizist aus einer Einfahrt aus und wurde vom Kollegen auf den aktuellen Stand gebracht. Kollege Zwei fragte dann nochmals nach „Was für ein Auto fahren Sie?“ – „Einen silbernen Skoda Octavia. Warum eigentlich?“

Darauf der Polizist: „Ok, dass stimmt überein. Dieses Objekt hier“ – und zeigt dabei hinter sich „ist eine Synagoge. Der Sicherheitsdienst hatte den Koffer an der Straße gesehen und auch, dass er mit einem silbernen Kombi kam. Wir haben uns zwar gedacht, dass der Trolli beim Ausladen vergessen worden ist, aber in fünf Minuten hätten wir Feuerwehr, Polizei und Sprengkommando angefordert. Wir hätten dann alles abgesperrt und der Koffer wäre auf der Straße gesprengt worden.“

Schon bekloppt, dass ein vergessenes Köfferchen teurer werden könnte als in der zweiten Reihe zu parken. Fehlt noch, dass in Köln bald Durchsagen durch die Straßen schallen „Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt stehen! – Don‘t leave your luggage unattended!“.

Abschließend kann man wirklich über diese Geschichte schmunzeln – ja herzhaft lachen. Niemandem ist etwas passiert und Schaden ist auch keinem entstanden. Allerdings kommt man darüber schon ins Grübeln. Ist diese Sensibilität wirklich so notwendig? Aus welchem Grund haben jüdische Gemeinden solch eine Angst weiterhin? Ich will hier keine Debatte neu entfachen, aber nur weil man in der Hektik mal einen Koffer vergisst, ist das schon heftig, wenn dadurch ein Großeinsatz ausgelöst wird.

Immerhin nahm die Geschichte ein gutes Ende und ich durfte den Trolli mitnehmen. Die Polizisten informierten noch kurz den Sicherheitsdienst und fuhren dann auch ihres Weges. Ende gut  – Alles gut.

Nachwort zum Fangipfel

Hallo liebe Polizei, hallo liebe Politiker,

am 1.11. kamen in Berlin gut 250 Fanvertreter von  49 Profi- und Amateurvereinen im VIP-Zelt des 1. FC Union Berlin zusammen. Es wurde sachlich und selbstkritisch diskutiert. Allerdings zeigte die Reaktion des Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Herrn Witthaut , als auch die Aussage von Hannover 96-Präsident Martin Kind, dass weiterhin pauschalisiert wird.

“Wir werden noch eine klare Ansage machen. Wenn es dann erneut Probleme gibt, muss man aber überlegen, die Gespräche zumindest temporär zu unterbrechen.“ Martin Kind, Präsident von Hannover 96, gegenüber dem FOCUS

Herr Witthaut beklagte, nicht eingeladen worden zu sein. Herr Kind will offentsichtlich nicht differenzieren und will den Fans am liebsten nur noch eine Chance geben. Vertreter von DFB und DFL schienen den Wink mit dem Zaunpfahl aber verstanden zu haben und stellten sich der Diskussion. Inhaltlich müssen natürlich weitere Diskussionen geführt werden, aber die Herrschaften aus Frankfurt sind immerhin irgendwo und irgendwie dialogbereit. Aber was ist mit Ihnen liebe Polizisten und Politiker?

Elegant werden sachliche Polizeiprotokolle oder nachvollziehbare Augenzeugenberichte links liegen gelassen. Noch auf dem Fangipfel erfolgte mehrfach der Appell der Fans an die Medien die Berichterstattung zu versachlichen. Statt mit gutem Beispiel voranzugehen werden nun wieder Stammtischfloskeln ausgepackt.

Die überwiegende Mehrheit der Fans fühlt sich im Stadion sicher (siehe auch www.ich-fuehl-mich-sicher.de). Die überwiegende Mehrheit will ebenfalls nichts mit Gewalt und Kriminalisierung zu tun haben. Sogenannte „Störer“ sind allen ein Dorn im Auge. Aber diese findet man meistens vor und nicht im Stadion…

Ich kann Sie daher nur nochmals auf die Abschlusserklärung des Fangipfels hinweisen und  dazu auffordern sich dem sachlichen Dialog zu stellen und Ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

Abschlusserklärung des Fan-Gipfels in Berlin vom 01. November 2012

 Sicheres Stadionerlebnis

Deutschlands Fußballstadien genügen höchsten Sicherheitsstandards. Eine Beeinträchtigung des Stadionerlebnisses z.B. durch unzumutbare Personenkontrollen und eine nachhaltige Beschädigung traditioneller Fußballkultur in den Stadien etwa durch die Abschaffung von Stehplätzen ist sachlich nicht begründet und wird daher abgelehnt. Verantwortlich für die Sicherheit in ihren Stadien sind die Vereine. Sie müssen deshalb von den Verbänden den nötigen Spielraum bekommen, lokal wirksame, den individuellen Gegebenheiten entsprechende Sicherheitskonzepte zu entwickeln und umzusetzen.

Fans, Vereine und Verbände bilden Solidargemeinschaft Fußball

Fußball lebt von den Vereinen, die ihn betreiben, von den Verbänden, die ihn organisieren und vermarkten und den Fans, die ihn lieben und zu einem emotionalen Kulturgut machen. Alle Akteure, insbesondere jedoch der DFB als größter Sportverband Deutschlands und der Ligaverband als Vertretung der beiden umsatzstärksten Fußballligen Deutschlands, sind aufgefordert, ungerechtfertigten Angriffen inhaltlich fundiert entgegenzutreten und unberechtigte Forderungen deutlich und öffentlich wirksam zurückzuweisen. Der Fan-Gipfel fordert beide Verbände auf, das behauptete Gewaltproblem im deutschen Fußball schnellstmöglich unabhängig und differenziert untersuchen zu lassen, um die auch medial hitzig geführte Debatte zu versachlichen. Darüber hinaus muss eingeleiteten Maßnahmen (z.B. 10-Punkte-Plan, AG Fanbelange beim DFB) Zeit zur Entfaltung ihrer Wirkung gegeben werden, anstatt sie durch ständig neue Konzepte („Sicheres Stadionerlebnis“) selbst zu unterlaufen.

Gewaltfreiheit

Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung im Zusammenhang mit Fußballspielen lehnt der Fan-Gipfel selbstverständlich sowohl innerhalb als auch außerhalb von Fußballstadien strikt ab. Der Fan-Gipfel ruft alle Beteiligten dazu auf, gewalttätige Auseinandersetzungen zu vermeiden und Straftaten entgegenzuwirken. Wer nachweislich gegen geltendes Recht verstößt, ist nach geltendem Recht zu sanktionieren. Der Fußball braucht kein Parallelstrafrecht und keine Kollektivstrafen.

 Dialog beginnt im Verein

DFB und Ligaverband agieren im Auftrag ihrer Mitglieder: der Vereine. Die Berücksichtigung von Faninteressen und die lokale Lösung von Problemen ist deshalb zuerst Aufgabe der Vereine. Der Fan-Gipfel ruft Deutschlands Fußballfans dazu auf, sich für einen Dialog auf Augenhöhe in ihren Vereinen zu engagieren, die Vertretung ihrer Interessen dort strukturell zu verankern und aktiv wahrzunehmen. Der Fan-Gipfel fordert die Vereine auf, den Dialog mit ihren Fans wahrzunehmen und sie in Entscheidungen einzubeziehen, ihre präventive Arbeit zu verstärken und mehr Mittel für die Fanbetreuung zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig geht auch hier ein Appell an Polizei, Fans und Politik, die Verantwortung zum Dialog anzunehmen und nicht vermeintliche Solidarität/Corpsgeist über Recht, Verein bzw. Vernunft zu stellen.

Verbände in der Verantwortung für das Kulturgut Fußball

Der DFB und der Ligaverband tragen Verantwortung für den Erhalt des Fußballs als Massenkultur. Sie werden aufgefordert, ihre Mitgliedsvereine zur Berücksichtigung der Faninteressen anzuhalten. Der Fan-Gipfel fordert DFB und Ligaverband auf, die Aufnahme von Fanvertretern in ihre Gremien satzungstechnisch zu ermöglichen und umzusetzen. Die Verbände werden aufgerufen, mehr Mittel für präventive Fanarbeit zur Verfügung zu stellen. Erhöhung statt Umverteilung der Mittel kann die Möglichkeiten präventiver Arbeit erheblich verbessern.

 Pyrotechnik

Bezüglich der Legalisierung von Pyrotechnik besteht weiterhin erheblicher Diskussionsbedarf, da eine einheitliche Position zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennbar ist. Der Abbruch der Gespräche zu diesem Thema von Seiten der Verbände stellt einen entscheidenden Wendepunkt im Verhältnis zu den Fans dar. Es darf im Dialog zwischen Verbänden, Vereinen und Fans keine Tabus geben, das gilt auch für Pyrotechnik.

 Abschließend richtet sich der Fan-Gipfel mit einem Appell an die Politik:

Vereine und Fans dürfen nicht für den Wahlkampf missbraucht werden. Fußball begeistert Millionen Menschen in Deutschland, er sorgt für Identifikation, soziale Strukturen und nicht zuletzt für Arbeitsplätze und erhebliche Steuereinnahmen und er genießt höchste öffentliche Aufmerksamkeit. Der Fan-Gipfel fordert die Vertreter der Politik – den Bundesinnenminister und die Innenminister der Länder – dringend auf, den Fußball nicht zu benutzen, um von politischen Versäumnissen in anderen Bereichen abzulenken. Gleichzeitig sind die Sozialminister dringend gefordert, die ihnen zustehende Verantwortung wiederzuentdecken und wahrzunehmen.

Kürzungen in der Sozialpolitik z.B. bei öffentlichen Angeboten für Kinder und Jugendliche oder Stellenabbau im öffentlichen Dienst z.B. bei der Polizei gehen an keiner Gesellschaft wirkungslos vorbei und wurden von großen Teilen der Bevölkerung in den vergangenen Jahren relativ klaglos hingenommen. Am öffentlichkeitswirksamen Thema Fußball jetzt ein Exempel zu statuieren und den Vereinen die Lösungen höchst komplizierter sozialer Probleme abzuverlangen, ist in höchstem Maße unfair und ebenso kurzsichtig. Die aufgebaute Drohkulisse führt dazu, dass diese sozialen Probleme im Rahmen des Fußballs nicht gelöst, sondern höchstens verlagert werden. Dieses Verhalten muss im Interesse der übergroßen Mehrheit der Fußballfans, aber auch der Zivilgesellschaft, dringend abgestellt werden, um Straftaten im Umfeld des Fußballs wirksam begegnen zu können und gemeinschaftlich an der Lösung gesellschaftlicher Probleme mitzuwirken.

Wir erwarten von den Verbänden und Vereinen die Einbindung von Fans in den Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess. Diesen Prozessen ist die erforderliche Zeit einzuräumen, der 12. Dezember ist aus unserer Sicht nicht einzuhalten. Von den Verbänden erwarten wir ein verbindliches Angebot an die Fans, Vereine und das Organisationsbüro des Fan-Gipfels. Vereinbart wurde zudem die Organisation einer Folgeveranstaltung.

Insolvenz abgewendet – Sterben auf Raten

Es war schon sehr verwunderlich, dass Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Meino Heyen auf dem Tivoli davon sprach „man werde Alles lückenlos aufdecken“ und „personelle Konsequenzen ziehen“. In einer späteren Pressemitteilung schlug er in dieselbe Kerbe. Was er und der restliche Aufsichtsrat allerdings den Fans im Stadion nicht sagte, wurde kurz drauf -noch während des Spiels (!) – über Radio verkündet: Es wäre Geld da und die Insolvenz vorerst abgewendet.

Die momentane Situation – und das gilt es herauszustellen – ist jedoch nicht aussichtslos. Es liegt neues Geld auf dem Tisch. Ob dies reicht, wird sich in den kommenden Tagen herausstellen. Fakt ist, dass wir es nicht alleine stemmen können. Wir werden viele Beteiligte mit ins Boot nehmen. In den kommenden Tagen werden wir nun intensiv an einer Lösung arbeiten, damit die Gesamtsituation am Ende des Tages noch gut ausgehen wird. (Dr. Meino Heyen, Präsident und Vorsitzender des Aufsichtsrates Alemannia Aachen, nach dem Spiel am 27.10.2012 gegen Wehen Wiesbaden)

Von Dr. Heyen kam kein Wort zur Lage und das die Alemannia über den Berg sei. Zumindest haben mir mehrere Quellen heute bestätigt, dass Geld zusammengetragen wurde und die Insolvenz der Alemannia Aachen GmbH damit vorerst abgewendet ist.

Ob es sich um Spenden oder Darlehen handelt, ob Zinsen zu zahlen sind oder andere Verpflichtungen anfallen, kann nur spekuliert werden. Das REWE den Stadionnamen gekauft hat gilt ebenfalls als „Ente“ und wird wohl bald dementiert werden. Daher ist einfach festhalten: Geld da, Insolvenz noch nicht nächste Woche.

Damit wären wir beim Kern der Entwicklung: Wir Alemannen haben nun etwas mehr Zeit bekommen den Turn- und Sportverein Alemannia Aachen 1900 e.V. mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu retten. Dies muss oberes Ziel sein!

Unter der Präsidentschaft von Dr. Alfred Nachtsheim und Dr. Meino Heyen ist nämlich genau das passiert, was nicht hätte passieren dürfen: Das der Verein bei einer Insolvenz der GmbH ebenfalls Pleite ist.

Dr. Heyen ließ sich nach dem Spiel nicht bei den Fans blicken, die sich vor dem Haupteingang versammelt hatten. Die Polizei wurde in voller Ausrüstung zwischen Business Club und Fans positioniert. Aufgrund einiger Vermummter und gegen die Polizei aggressiven Fans drohte es sogar kurzfristig zu eskalieren. Schade, dass echte Fans nicht ihr Gesicht zeigen wollen und gewaltfrei Forderungen aussprechen können.

Foto: Manfred

Da Stadionsprecher Robert Moonen und kurz Darauf Vizepräsident Helmut Kutsch zu den Fans kamen beruhigte sich die Lage glücklicherweise schnell. Viele Fans zogen dann auch schnell wieder ab (wie auch die Polizei), da Moonen und Kutsch vor allem um Geduld und Zeit baten. Es gehe weiter und es sei nicht das letzte Spiel gewesen. Handfeste Aussagen gabe es aber auch vor den Stadiontoren nicht.

In dem anschließenden Gespräch mit Herrn Kutsch gab ich ihm zu verstehen, dass Aufsichtsrat und Präsidium keinerlei Vertrauen mehr genießen würden und man dringend an der mehr als katastrophalen Außendarstellung arbeiten müsse. Außerdem dürfe Kraemers Rauswurf nicht die letzte und einzige Personalentscheidung gewesen sein. Es geht jetzt weiter um Alles und das geht auch nur mit den Fans. Man erwarte jetzt eine aussagekräftige und schlüssige Erklärung der Alemannia, die auch nicht allzu lange auf sich warten lassen sollte.

Robert Moonen und Helmut Kutsch reden mit den Fans der Alemannia

Foto: Manfred

Ich bin mir seiner Aussagen nicht sicher. Immerhin hatte Herr Kutsch den Mut sich den Fans zu stellen. Sein Engagement und sein Herz für die Alemannia ist unbestritten, aber auch er hat die Alemannia (sowohl GmbH als auch e.V. ) mit in diese Situation kommen lassen.

Die aktuelle Lage wurde mit dem neuen Geld nicht gebessert, sie wurde lediglich aufgeschoben. Wir sterben weiter auf Raten….

Fotohinweis / Bildnachweis: Fotos C by Manfred http://www.flickr.com/photos/herreausa/sets/72157631865311796/with/8128128389/

Jetzt muss gehandelt werden

Eigentlich wollte ich zum Wochenendbesuch in Aachen einige Schnappschüsse reinsetzen und über ein paar Highlights schreiben. Der fantastische Brunch im Café Middelberg, die anschließende Jahreshauptversammlung der Sportfreunde Kaiserstadt und das Spiel der Alemannia gegen Erzgebirge Aue. Allerdings rücken nun die Vorfälle kurz vor dem Halbzeitpfiff in den Mittelpunkt. Alemannia gegen Alemannia.

So langsam schwindet selbst bei mir als eingefleischtem Optimisten (vor allem in Bezug auf die Alemannia), die letzte Hoffnung. Wohl aufgrund einer Lesung gegen Faschismus, veranstaltet von den Aachen Ultras (ACU), ist der Konflikt zwischen eben diesen und der Karlsbande, sowie Teilen der Supportes eskaliert. Nachdem eine Person im Block der ACU deren Banner und Fahnen herunterreißen wollte und sich auch verbal mit der Gruppe anlegte, kam es beinahe zu einer Auseinandersetzung im Block S6.

Ein Mitglied der ACU wollte handgreiflich werden, wurde aber von Ordnern, und vor allem den eigenen Leuten zurückgehalten. Der „Störenfried“ wurde von Ordnern aus dem Block gebracht. Kurz darauf stürmte eine Gruppe von 20-30 Leuten in den Block. Diese hatte kurz zuvor den gegenüberliegenden Block O6 verlassen. Es kam zu einigen Handgemengen. Aufgrund der steilen und teils sitzfreien Tribüne stürzten Prügelnde und Ordner einige Stufen. Auch einige Attacken fanden Ihr Ziel. Zeitgleich wurden aus dem benachbarten Stehplatzblock S5 Gegenstände von Mitgliedern der Karlsbande auf die ACU geworfen. Diese hatte, als die ersten Personen – ohne Gegenwehr oder Einschreiten der Ordner – sämtliche Fahnen und Doppelhalterstöcke an die Polizei gegeben haben.

Ich bin wahrlich kein Freund des Supports der Aachen Ultras. Diese Selbstfeierei und die nervende Art der Trommelei gehen mir im Nebenblock schlicht auf die Nerven. Allerdings hatte ich nicht nur vor dem Spiel von der Spendenaktion der ACU zu Gunsten des Café Plattform in Aachen erfahren, sondern auch, dass Mitglieder der Karlsbande bei einer Lesung gegen Rechts von der Leiterin des Fanprojektes vor die Tür gesetzt wurden. Da ich die genauen Hintergründe nicht kenne, kann ich nur vermuten, dass aus diesem rechtsgerichteten Hintergrund die „Rache“ im Block erfolgte.

Ich selber war schockiert, dass da eine gewaltbereite Gruppe einfach so in den Fanblock marschieren konnte und Fans der Alemannia sich gegenseitig an die Wäsche gehen. In diesem Fall war die ACU klares Opfer. Die in S6 sitzenden Unbeteiligten waren mitten drin, und einige Schilderungen dieser Unbeteiligten werden für die Alemannia böse und nachhaltige Konsequenzen haben.

Zu den sportlichen und vor allem finanziell schlechten Aussichten, haben nun einige wenige Chaoten, der Alemannia einen Bärendienst erwiesen. Nachvollziehbarerweise empfinden es sehr viele Fans nicht mehr sicher auf dem heimischen(!) Tivoli.

Meine Antipathie gegenüber der alemannischen Geschäftsführung ist kein Geheimnis, aber ich hoffe, dass es diesmal Herrn Kramer erfolgreich gelingt, die richtigen Konsequenzen zu ziehen und durchzuführen. Eine entsprechende erste Presseerklärung nach dem Spiel, war ein erster richtiger und wichtiger Schritt. Sollte dies aber ausbleiben, oder so halbherzig (wenn überhaupt) geschehen wie in der Vergangenheit, werde ich meine Dauerkarte zurückgeben.

Es sieht sehr stark nach einer Aktion nationalsozialistischem Hintergrund aus, weswegen alles Alemanniafans nun gefragt sind. Weit mehr als nur eine Schlägerei oder ein Scharmützel. Die Alemannia muss nun schnellstmöglich auch die Voraussetzungen schaffen, dass Fans hinschauen können und sich gegen die „braune Brut“ stellen und zur Wehr setzen. Andernfalls kann die Alemannia spätestens jetzt zu Grabe getragen werden.

Update: Ich verstehe zwar nicht, warum, aber die Alemannia hat den Verantwortlichen eine Plattform zur Stellungnahme gegeben. Die Supportes stehen zu der Aktion und entschuldigen sich dafür. Auch distanzieren sie sich von rechtsradikalen Motiven. Ich persönlich halte diese Aussagen für ein Lippenbekenntnis und die Methode “Wogen glätten”. Daher sollten meine Aussagen und Vermutungen, wo der Ursprung für die Eskalation/Aktion lag, in einem anderen Kontext gesehen werden. Dennoch reicht mir diese Stellungnahme nicht! Es wurde eine Grenze überschritten und die Alemannia hat einen sehr großen Schaden erlitten. Da reicht eine einfache Entschuldigung in dieser Form nicht aus.

Wir sind alle Pyromanen

Immer diese blöden Ultras. Und man stelle sich vor, in Aachen haben wir gleich zwei Gruppierungen. Gerade  aktuell stehen die Ultras aber ausschließlich für Gewalt und Pyrotechnik im Mittelpunkt der Diskussionen. Nach den Vorkommnissen im Dresdener Fanblock beim Pokalspiel in Dortmund, spricht alle Welt vom Verbot von Pyrotechnik und drastischen Strafen, bis hin zur Meldung beim Arbeitgeber. Dazu eine persönliche Begebenheit mit der Polizei bei einem „runden Tisch“ vor ein paar Monaten auf dem Aachener Tivoli.

Zusammen mit Vertretern des Fanprojektes, des Vereins (bzw. der Alemannia Aachen GmbH), Polizei, Hundertschaft und Fanclubs traf man sich um über die nun in den Medien diskutierten Themen wie Pyrotechnik etc. zu sprechen. Hintergrund war vor allem der kurz vorher erfolge Polizeieinsatz einer Bielefelder Hundertschaft im Paderborner Gästeblock, wo wir Alemanniafans standen. Aufgrund eines Verdachtes hatten die Einsatzkräfte den Block mit Schlagstöcken und Pfefferspray gestürmt.

Nun fordern Politiker und Polizei noch härtere Strafen. In den Ausführungen dieser Menschen ist der gemeine Fußballfan ein Straftäter. Ist man zur falschen Zeit am falschen Ort, so ist man schon der Dumme.

Die Vorfälle betreffen in der Regel Gästefans. Dort wird man nicht selten als gesamte Gruppe vom Bahnhof zum Stadion eskortiert. Weder in diesem dann eingerichteten Polizeikorridor noch im Fanblock selber ist ein Ausweichen möglich. Eine räumliche Distanzierung von Fans, die Gewalt oder Pyrotechnik anwenden, ist so gut wie nie möglich.

So forderte bei dem runden Tisch ein Polizeivertreter:  „Ich wünsche mir, dass sich die Fans dann einfach davon distanzieren und Abstand nehmen. Ich verstehe nicht, wie man sich dort immer gegenseitig in Schutz nimmt. Zum Beispiel beim Pokalspiel der Bayern auf dem alten Tivoli: Wir mussten in den Block, aber niemand ist auf Seite gegangen oder hat uns eine Gasse gebildet. Wir mussten uns durchboxen.“

Diese Denkweise ist alleine schon gefährlich! Wohin hätten Fans bitte im ausverkauften Block ausweichen sollen? Wenn die Polizei sich im Rücken der Fans formiert und den Block betritt, wie können Fans dann Vorkehrungen treffen? Wenn plötzlich Polizei in voller Montur in den Block kommt, bekommt man schlicht Angst. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit. Der Platz ist begrenzt und es folgt die logische Reaktion der Masse: Zusammenrücken.

Diese Frage stellte ich den Polizeivertretern und wie zu erwarten konnten sie darauf keine Antwort geben. es wurde deutlich, dass die Sicherheitskräfte logischerweise Angst vor der Fanmasse haben und gleichzeitig das Vertrauen fehlt, dass dort auch besonnene und in der szene bekannte Fans helfen können. Im Gegenteil: es gibt Fälle von vermittelden Fans, die im Zuge dessen nun Ermittlungen und Verfahren “am Hals haben”.

Wie nun bekannt wurde, drehen sich DFB und DFL die Tatsachen so, wie sie sie gerade haben wollen. Egal wie man nun zum Thema Pyrotechnik aber steht: Ein Stadionbesuch wird de facto zum noch höheren persönlichen Risiko. Hier kann nur an alle Fußballfans appelliert werden, die Diskussion weiterhin einzufordern, DFB/DFL und Polizei müssen einfach mit ins Boot geholt werden.

Ich empfehle dazu zu weiteren Lektüre den Erfahrungsbericht und Kommentar eines Juristen und  einen informativen Artikel des SPIEGEL