ene Öcher Schäng (im hessischen Exil)

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Warum die Alemannia nicht untergeht

Die Lizenz für die dritte Liga hat die Alemannia – noch – nicht erteilt bekommen. Der DFB wartet auf die erforderlichen Nachweise zur Umfinanzierung und damit verbundenen Solvenz der Schwarz-Gelben. Die Zeichen verdichten sich, dass es der Alemannia doch rechtzeitig gelingen wird, die Lizenz zu erhalten. Hauptsächlich liegt es an dem Willen, den Verein nicht untergehen zu lassen. WEITERLESEN… »

Ich würde “Nein” sagen

Wappen der Stadt AachenWäre ich Mitglied des Aachener Stadtrates und müsste nun am Mittwoch meine Stimme für oder gegen eine finanzielle Rettungsaktion der Alemannia abgeben, so hätte ich für meinen Teil eine Entscheidung getroffen. Ich würde der Rettung nicht zustimmen. Richtig gelesen! Ich sage Euch auch gerne warum. WEITERLESEN… »

Öcher : Mitmachen!

In Aachen wird gerade fleißig diskutiert und abgestimmt. Die Stadt Aachen hat ihren Bürgern die  Möglichkeit eingeräumt, bei der Haushaltsplanung mitzuwirken. Wie schon im Januar 2012 (hier meine Eindrücke vom Jahresbeginn), ist aber auch dieses Mal die Bürgerbeteiligung gut gemeint, aber alles andere als gut gemacht.

Das Stadttheater nutzt die eignen Auftritte und Vorstellungen, um gegen Budgetkürzungen zu schimpfen und Fans der Alemannia rufen dazu auf, für die städtische Unterstützung zu stimmen. Zugegeben: 15 Millionen Euro für ein Stadttheater pro Jahr sind verdammt viel. Die Bezuschussung pro Ticket sind recht üppig, aber Kultur gehört halt dazu. Sicherlich ließe sich über Einsparungen nachdenken, aber wie soll der Bürger darüber entscheiden, wenn er nicht einmal die Informationen zu den Hintergründen bekommt?

Sehr lesenswert und nachvollziehbar hat dies auch der Ratsherr Felix Bosseler (Piratenpartei) in einem Blogartikel verfasst. Selbst dem Öcher Stadtrat fehlt es an nachvollziehbaren Zahlen und Auflistungen. Heiner Höfken (SPD) moniert Selbiges heute in der Aachener Zeitung anlässlich der Tivoli-Finanzierung.

So oder so: Die Stadt Aachen ist noch nicht Pleite, aber „rosig“ sieht die Lage auch nicht aus. Da verwundert es doch, wenn man so viel Geld für eine Umfrage ausgibt, die dann schlecht umgesetzt ist. Auch wenn das aus der Ferne jetzt so leicht daher geschrieben klingt:  Es kann nicht sein, dass sich nun die Resorts (hier ja Kultur und Wirtschaft) untereinander den Schwarzen Peter zu schieben und am Ende ein großer Konflikt im Raum steht, aber keine Lösungen vorhanden sind.

Einige Verbesserungsvorschläge sind ja bereits gemacht worden und wenn es die Zeit erlaubt, werde ich vielleicht auch noch ein paar Vorschläge formulieren. Ich kann jetzt einfach nur an die Öcher appellieren, die Informationen einzufordern und der Stadt auf die Füße zu treten. Es darf mitgemacht werden, man fordert es ja ein, also bitte auch die Karten auf den Tisch!

Bernd Maas spricht Klartext

Bernd Maas - ehemaliger Geschäftsführer von Alemannia Aachen

Bernd Maas

Dieser Tage gibt es viel zu lesen über die Finanznot der Alemannia. Mittlweile ist diese so traditionsreich wie die Alemannia selber. Der Geschäftsführer einer “guten Epoche” hat sich für ein Interview Zeit genommen. Ich danke Bernd Maas für das folgende Interview

Hallo Bernd. Schön, dass Du Zeit für ein kurzes Gespräch gefunden hast. Viereinhalb Jahre ist es jetzt her, da hast Du deinen Schreibtisch bei der Alemannia geräumt…

Räumen müssen. Ist das wirklich schon so lange her? Ja, stimmt, Anfang März 2007 war mein letzter Arbeitstag, da hatten wir gerade die GmbH gegründet und spielten in der Bundesliga. 33 Punkte nach 26 Spielen. Die Klasse war sozusagen gesichert, die finanzielle Lage der Alemannia war überaus entspannt. Da konnte ich gehen. War ´ne tolle Idee von mir mit der GmbH-Ausgliederung: Vor allem habe ich mich damit wohl selbst ausgegliedert (lacht).

Kannst Du das erläutern?

Naja, wer denjenigen, der zu jener Zeit bei der Alemannia und in Aachen alle Fäden in der Hand hielt, ein wenig genauer kennt, der weiß, dass diese Person  jede noch so kleine Gelegenheit nutzt, ungeliebte Weggefährten umgehend auszuschalten. Oder besser, ausschalten zu lassen.

Du hast also nicht zu allem „Ja“ und „Amen“ gesagt?

Natürlich nicht. Ich bin ja schließlich kein Politiker. Meine Aufgabe war es, für finanzielle Stabilität zu sorgen und wenn es Dinge gab, die dem zuwider standen, habe ich diese Vorgänge natürlich nicht befürwortet. Aber damit habe ich mir nicht immer Freunde gemacht.

Wie geht es Dir jetzt?

Mir geht es sehr gut, Danke. Ich bin zwischenzeitlich zum zweiten Mal Vater geworden, das ist das Wichtigste seitdem. Beruflich bin ich mittlerweile selbständig als Berater für Clubs und Sportler. Gerade habe ich beim MSV Duisburg ein Business Intelligence – System zur Planung und Kontrolle der Vereinsfinanzen sowie zur Umsetzung des Lizenzierungsverfahrens implementiert.

Du beschäftigst Dich also mit einem Thema, das der Alemannia gerade große Sorgen bereitet. Sportlich, aber vor allem auch finanziell hört man ja nichts Gutes im Moment. Was empfindest Du, wenn Du derzeit auf die Alemannia blickst?

Ich kann aus der Ferne gar nicht beurteilen, wie die Unternehmensführung und –steuerung dort jetzt läuft und wer das macht. Was ich empfinde? Die ganze Situation ist für mich schon sehr betrüblich. Es ist wirklich traurig, zu realisieren, dass die sportlichen und wirtschaftlichen Grundlagen, die man in sechs Jahren zwischen Geldkoffer mit Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft, Geisterspiel, Pokalfinale, UEFA Cup und schließlich Bundesligaaufstieg geschaffen hat, nun möglicherweise komplett verloren sind.

Vermisst Du Aachen dabei ein wenig?

Ganz ehrlich: Ich vermisse vor allem den alten Tivoli, die Enge und die Höllenstimmung dort. Als ich jetzt über Facebook erfahren habe, dass der Tivoli abgerissen wird und mir dann auch noch Fotos zu Augen kamen, auf denen der Zerfall zu sehen war, hat mich das schon traurig gemacht. Wenn der Tempel ganz weg ist, dann wird ein ganz ganz starkes Stück Alemannia Aachen mit gestorben sein. Dennoch ist mir die Alemannia über die Jahre natürlich sehr ans Herz gewachsen und ich verfolge die Spiele via TV auch, wenn es mir zeitlich möglich ist. Zudem habe ich noch guten Kontakt zu einigen, wirklichen Freunden aus dieser Zeit.

Warst Du denn schon im neuen Tivoli und was hältst Du von Ihm?

Ja, ich war schon drin. Beim Eröffnungsspiel gegen St. Pauli war ich dort, habe mir mit Freunden eine Karte gekauft. Am liebsten würde ich jetzt sagen: Der neue Tivoli ist super! Aber die Öcher haben mir da zu Leid getan wegen des 0:5. Und dann noch der gestürzte Pauli-Fan. Das hat alles überlagert. So ein Desaster für eine Eröffnung gönnt man ja keinem. Von der Stimmung her ein Trauerspiel.

Und baulich?

Der neue Tivoli ist leider ein paar Meter zu groß für die Alemannia. Aber das lässt sich jetzt nicht mehr ändern. Es hätten nach meiner Meinung vier Einzeltribünen gereicht, die Ecken hätten zunächst offen bleiben sollen, mit Ausnahme der Ecke bzw. Ecken, die schallschutztechnisch relevant sind. Die hätte man mit einer Schutzwand schließen können. Aber erkläre das mal Politikern und deren Freunden, die am liebsten ein Stadion für über 40.000 Leute gebaut hätten. Das Stadion ist zu teuer geraten. Wie der hohe Preis und die letztendliche Kapazität zustande kommen, entzieht sich leider völlig meiner Kenntnis. Das Parkhaus musste ja wohl auch noch finanziert und nicht einfach gemietet werden. Da habe ich aus der damaligen Zeit noch andere Aussagen im Kopf und auf so manchem Papier. Schlimm ist: Es bleiben jetzt bei den Spielen viel zu viele Plätze leer, die aber dennoch von der GmbH bezahlt werden müssen. Auf den Plätzen sitzt nur leider niemand, der ein Ticket kauft, schon gar nicht eine Dauerkarte. Wozu auch? Abgesehen von der sportlichen Misere sind ja immer genug Plätze da, also brauche ich nicht unbedingt eine Dauerkarte, um reinzukommen. Was hatten wir denn vom alten Original-Tivoli gelernt? Eben weil die Tickets ein so knappes Gut waren, haben sich die Leute Dauerkarten gekauft. Da war Druck im Kessel. Jetzt ist die Luft offensichtlich raus. Wenn ich Sky einschalte und ein leeres Stadion mit gelben Sitzen sehe, dann weiß ich sofort: Wir sind am Tivoli. Die gelben, leeren Sitzschalen sind leider schon ein Erkennungsmerkmal mittlerweile.

Maas mit Dr. Zwanziger (Präsident DFB) und Prof. Heinrichs (damals Präsident Alemannia Aachen)

Ja, das ist wirklich unschön, wenn man die aktuelle Situation mit alten Zeiten, wie Du Sie erlebt hast, vergleicht. Du sagst gerade, dass Du nicht weißt, wie der hohe Preis zustande kommt. Nun sagte Frithjof Kraemer aber zum wiederholten Male, dass er erst gekommen sei, als die Finanzierung für den Tivoli bereits in trockenen Tüchern gewesen ist. Hieße: Du warst an der Finanzierungsplanung beteiligt.

Lieber Friedrich, Du weißt, dass ich mich grundsätzlich immer bei Alemannia zurück gehalten und nie etwas gesagt habe – vor allem, weil mir der Verein am Herzen liegt. Dieses Interview ist eine absolute Ausnahme und das gibt es auch nur wegen des Umstandes, nachdem nun behauptet wird, dass die Vorgänger wieder mal die Schuld tragen. Da wär ich dann ja wohl dabei. Das kann ich aber nicht auf mir sitzen lassen, da es nicht stimmt. Das ist eine Lüge und ich würde das nicht so deutlich sagen, wenn ich es nicht beweisen könnte. Es ist unerträglich, dass solche Behauptungen im Raum stehen und dort auch stehen bleiben, ohne dass diese nur ein einziges Mal journalistisch hinterfragt werden. Auf alemannia-brett.de diskutieren sich die Leute die Köpfe darüber heiß und wundern sich, aber in den einschlägigen Redaktionen der Kaiserstadt, beispielsweise beim Medienpartner werden solche Aussagen nicht hinterfragt. Jeder, der sich nur mal kurz bemüht, auf www.alemannia-aachen.de in der Newssuche Stichworte wie „Finanzierung“ einzutippen, überführt solche Aussagen augenblicklich als Unwahrheiten. Da muss man gar kein Interner sein.

Es war damals von „konservativen Rechnungen und Annahmen“ sowie „Sicherung mit doppeltem Netz und Boden“ die Rede. Man könne auch mal eine Saison in der dritten Liga spielen. Wie konservativ waren die Planungen zu Deiner Zeit?

Meine, auch gegenüber dem TSV-Verwaltungsrat (das war von seiner Funktion her der Vorläufer des jetzigen GmbH-Aufsichtsrates, Anm. der Red.) wiederholt geäußerten Vorstellungen waren, wie bereits gesagt, immer der Art, dass man das Stadion nicht zu groß dimensioniert oder auch bei der Einrichtung, wie zum Beispiel im VIP-Bereich, die Kirche im Dorf lässt, damit man auch in schwierigen Zeiten noch den Kapitaldienst leisten kann. Das kam vielfach nicht so gut an. Eigentlich baut man ein neues Stadion ja, damit man deutlich mehr finanzielle Mittel für den Profikader übrig hat. Und zwar in absehbarer Zeit, nicht erst in zig Jahren. Dazu gehört beispielsweise auch die Vergabe eines Naming Rights. Nach damaliger Aussage von Herrn Kraemer hat man das aber absichtlich nicht vergeben, wegen der Tradition. In meinen Augen war es fahrlässig, in diesem Sektor keinen starken Partner für sich gewonnen zu haben. Wie auch immer, am Ende muss jederzeit der sportliche Erfolg als Maxime stehen. Ein optisch ansprechendes Eingangsportal für Besucher Aachens über die Krefelder Straße und natürlich auch für die Stadionbesucher kann da ein schöner Nebeneffekt sein. Er sollte aber nicht der zentrale Gedanke für ein solches Projekt werden. Hier gingen die Vorstellungen jedoch zu meiner Zeit bereits an der einen oder anderen Stelle auseinander.

Abschließend noch die Frage; Gibt es etwas, dass du den Alemannen noch mit auf den Weg geben willst?

Ich hoffe stark, dass die Alemannia sportlich die Kurve noch kriegt. Das letzte Spiel, was ich vor Ort gesehen habe, war bei Union, das war leider ein Offenbarungseid. Mein persönlicher Hoffnungsträger ist jetzt Friedhelm Funkel, der Beste, den man bekommen konnte, ein absoluter Fachmann und Ruhepol, was für die Alemannia nur gut sein kann in der jetzigen Situation. Wenn der´s mit den Leuten nicht schafft, dann keiner. Auf jeden Fall haltet fest zusammen und zieht an einem Strang. Denn die von Dir bezeichnete „Alemannen“ sind nicht die da oben, sondern die Fans, also ihr selbst. Fans bleiben ein Leben lang und geben dem Verein das Gesicht. Der Rest wechselt ständig. Dessen müssen sich alle mal wieder bewusst werden.

Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das interessante Gespräch und alles Gute für Deine weitere Zukunft.

Vielen Dank. Dasselbe wünsche ich Dir und natürlich auch der Alemannia.